Die Reaktion einiger Ersatzkassen war heftig: Drei große Ortskrankenkassen, nämlich die von Hamburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, werden ihren Versicherten einen Monatsbeitrag zurückerstatten, wenn sie ein Jahr lang auf ärztliche Behandlung verzichtet haben.Schon 1989, bei Einführung des der privaten Krankenversicherung (PKV) entlehnten Modells, ist dieses Instrument von den Kassen und der Opposition als systemfremdes Element der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kritisiert word en.Damit werde die solidarische Finanzierung der GKV ausgehebelt, war die Befürchtung. Diese Sorge ist aktueller denn je, zumal mit den übrigen seit 1992 eingeleiteten Reformstufen zum Gesundheitssystem weitere Elemente der PKV in die GKV eingegangen sind.Daß nun ausgerechnet Ortskrankenkassen die Beitragsrückerstattung einführen, ist um so erstaunlicher, als die Kritik daran gerade vom AOK-Spitzenverband besonders pointiert formuliert war.Ihre Kassen haben gemeinhin die "schlechteren Gesundheitsrisiken" - also mehr arme, ältere, arbeitslose und kinderreiche Mitglieder - versicher t, woraus höhere Ausgaben und höhere Beiträge resultieren.Daher ist naheliegend, daß ihnen die guten Risiken mit besseren Einkommen zu preiswerteren Kassen abwandern. Das ist denn auch das eigentliche Motiv, weshalb jene drei Kassen sich zur Beitragsrückgewähr entschlossen haben.Bei überdurchschnittlich hohen Beitragssätzen oberhalb von vierzehn Prozent fürchten sie eine Abkehr ihrer Versicherten, die wenig oder gar nicht krank werden, gleichwohl aber viel bezahlen.Indem die nun einen knappen Tausender zurückbekommen können, ist das fraglos ein Anreiz, die Kasse nicht zu verlassen, und der Verzicht auf unnötige Arztbesuche spart Geld.Die grundsätzlichen Bed enken gegen die Treueprämie sind damit jedoch nicht ausgeräumt. Anders als die stark risikoorientierte PKV beruht die GKV auf dem Solidarprinzip, nach dem Gesunde für Kranke und Junge für Alte einstehen, sozial starke Gruppen mehr einzahlen als sozial schwächere, damit jene im Notfall dennoch gleiche Leistungen erhalten.Wenn nun ein Teil der solidarisch aufgebrachten Beiträge an die Gesunden ausgeschüttet wird, ist im Zweifel für die Kranken zuwenig Geld in der Kasse.Da das wiederum Beitragserhöhungen bewirkt, bezahlen die Kranken den Bonus an die Gesunden letztlich mit einem Malus.Außerdem besteht die Gefahr, daß mancher, der eigentlich krank ist, allein wegen der Aussicht auf seinen Rabatt nicht rechtzeitig zum Arzt geht.Die Verschleppung von Krankheiten kann aber für die Kasse im Endeffekt sehr te uer werden. Der Beitragsbonus bringt überdies den sogenannten Risikostrukturausgleich unter den Krankenkassen ins Wanken.Der Ausgleich, den reiche Kassen an die ärmeren mit schlechterer Risikostruktur leisten, sollte bewußt das Solidarprinzip stärken.Der Prämienbonus höhlt dieses Prinzip aus und stellt den Ausgleich überhaupt in Frage.Eine Kasse, die ihre guten Risiken belohnt, kann wohl kaum noch einen Finanzausgleich für die schlechten verlangen.Der schleichende Ausstieg aus dem sozialsten S ystem einer Krankenversicherung findet schneller, statt als die Weichenstellung der Bonner Gesundheitspolitik ohnehin erwarten ließ.