Marion Gräfin Dönhoff: "Fragen nach dem 20. Juli", ZEIT Nr. 30

Es war sehr wohltuend, anläßlich der Wiederkehr des 20. Juli einen würdigen Beitrag zu lesen. Wenn man sich mit der Geschichte des 20. Juli und des deutschen Widerstands insgesamt auseinandersetzt, dann machen einen die üblichen Kommentare - "zu später Versuch der konservativen Eliten, das Deutsche Reich vor der vollständigen Niederlage zu bewahren und den eigenen Hals zu retten" - sehr betroffen. Diese sind ja nicht nur absolut unrichtig, sondern verdecken das Große am 20. Juli: daß Menschen bereit waren, für - wie es Gräfin Dönhoff ausdrückt - Moral, Recht und Freiheit in den Tod zu gehen, nachdem und gerade weil es klar geworden war, daß die bedingungslose Kapitulation nicht mehr zu verhindern war.

Kirsten Hardt, Kopenhagen

Leider unterschlägt Gräfin Dönhoff ihren jugendlichen Zuhörern gänzlich den Widerstand über den Zeitraum von 1933 bis 1938. Vielleicht nimmt sie an, daß sich deutsche Jugendliche leichter mit Generälen und hohen (auch adligen) Diplomaten identifizieren als mit Proletariern, sittlich und gläubig gebliebenen Christen und sonstigen Antifaschisten. Es gab einen Widerstand auch vor 1938 - die Niemöllers, die Paul Schneiders, die Baum-Gruppen, die Thälmanns, die vielen antifaschistischen Zellen in ganz Deutschland ich selbst gehörte einer solchen an in der Stadt meiner Jugend Frankfurt am Main.

Ich habe all die Tausenden Widerständler, die zum Beispiel in Buchenwald schmachteten und zu Tode geschunden wurden, mit eigen Augen erleben können.

Auch sie sind alle unvergeßliche Helden - auch wenn sie meistens von der Linken herkamen.

Efraim Franz Wagner, Jerusalem