Eigentlich waren fast alle dafür: der Rektor der Münchener Universität, die Studenten und sogar die Wirtschaft. Sie begrüßten den Plan des renommierten Politikprofessors Fritz Kratochwil, der in Princeton, Columbia und Pennsylvania gelehrt hatte und nun in München einen interdisziplinären Studiengang für Wirtschaft, Recht und Politikwissenschaften einführen wollte, zweisprachig und praxisorientiert für Studierende, die einen internationalen Beruf im Auge haben. Doch dann begannen die Schwierigkeiten. Hier ein Einwand, dort eine Hürde, und schon blieb der wirtschafts- und wissenschaftsfreundliche Studiengang im bürokratischen Räderwerk universitärer Vorschriften und mäkelnder Kollegen stecken. Dieses Unglück passierte ausgerechnet in einem Bundesland, dessen Ministerpräsident sonst so große Stücke auf Innovation und Effizienz bajuwarischer Provenienz hält. Und die Pointe? Die sagt der entnervte Professor besser selbst: "Wir wollten Reformen, aber die Reformen sollten genau den Richtlinien entsprechen, die solche Reformen verhindern." Deutsche Hochschulen sind autonom, autonom, autonom ... Ihre Lehrer erst recht.