Not schafft Wir-Gefühl: Angesichts rückläufiger Urlauberzahlen haben die Nordfriesen in Heimarbeit ein Tourismuskonzept entwickelt. 400 Bürger beteiligten sich an den Zukunftswerkstätten.

Das Projekt könnte Modellcharakter bekommen: Denn der Landkreis an der schleswig-holsteinischen Westküste ist bundesweit die erste Ferienregion, die sich den Weg aus der Krise nicht von teuren auswärtigen Gutachtern weisen läßt, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Auf Sylt, Amrum und Föhr - jahrzehntelang Inseln des Wohlstands - hat sich Katerstimmung breitgemacht. Seit fünf Jahren schrumpfen die Übernachtungszahlen, allein 1994 um sieben Prozent. "Die Tourismuswirtschaft fängt an zu leiden", beschreibt Nordfrieslands Landrat Olaf Bastian die Lage der mit einem Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Mark führenden Branche im Kreis.

Jeder vierte Urlauber wirft der nordfriesischen Urlaubsbranche ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis oder gar Abzockerei vor. Den Weltklassepreisen an der Küste stehen oft mäßige Quartiere und dürftiger Service gegenüber.

Auslandsreisen bieten für weniger Geld häufig höhere Qualität.

"Wir erleben die Globalisierung des Tourismusmarkts und werden um Marktanteile in Zukunft viel stärker kämpfen müssen", sagt Bastian. Die bei der Entwicklung des Tourismuskonzepts geübte Basisdemokratie soll helfen, die Kirchturmpolitik zu überwinden. Der neue Slogan heißt "Eine Region - ein Unternehmen".

Wie mühsam aus der Not ein neues Wir-Gefühl entsteht, erlebte der Tourismusforscher Jost Krippendorf. Die Zukunftswerkstatt auf der zerstrittenen Hallig Hooge kam nur zustande, weil man den Schweizer Experten als unbeteiligten Moderator engagierte. "Auf dem Land wird zuviel übereinander und zuwenig miteinander geredet", stellt Krippendorf fest. "Die größte Herausforderung war es, die Leute miteinander ins Gespräch zu bringen."