Nun kommen sie langsam heim vom Urlaub in der Fremde, unsere Kinder, kohldeutsch Kids genannt. So blöd wie die Eltern sind sie nicht mehr. Das haben sie in Bordighera, im Museo Dante Alighieri oder vor der Paradiestür des Baptisteriums in Florenz mitbekommen: Der Bildhauer, der vor einem halben Jahrtausend die zehn viereckigen Felder geschaffen hat, heißt Lorenzo Ghiberti und will nicht Dschiberti, sondern Giberti ausgesprochen werden, weil das h nach dem g den Buchstaben "hart" macht.

Alles sein, nur jetzt nicht Deutschlehrerin in Sachsen-Anhalt - oder ist es Hessen, Niedersachsen? Irgendwo haben juristische Kartoffelesser die Gabel - äh: die Feder in die Hand genommen und dekretiert, die von weltfremden Beamten ertüftelten Regeln der "neuen" Rechtschreibung seien im jeweiligen Herrschaftsgebiet "durchzusetzen". Nun haben Kinder gerade eine schöne erste Erfahrung im Reichtum europäischer Sprachen und Schreibungen gemacht - schon muß ein Schulmeister nördlich der Alpen den Rotstift zücken. Was da als "Fehler" gegeißelt wird ("Spaghetti" statt doof deutsch "Spagetti"), ist in Wahrheit richtig, nicht nur orthographisch, sprachlich, sondern auch politisch, im besten Sinn Frieden stiftend. Wer die Aussprache-Regel Gh = G verstanden hat, wird sich im Nachbarland nicht mehr lächerlich machen, wenn er jenseits der Alpen funghi porcini als fungi, nicht als fundschi bestellt, gnocchi (Kartoffelklöße) als njokki, nicht als njotschi.

Euro hin, Öro her: Wie schön könnte es sein, unser Flickenteppichland langsam auch sprachlich zusammenwachsen zu sehen! Da sei unser mit zwei Augen nach Amerika schielendes deutsches Vaterland vor! Wohin wir schauen: ein Sprach-Gulasch aus blöder Anbiederung, eine bürokratische Orgie sprachlicher Diarrhöe, wie sie in keinem halbwegs zivilisierten Land der Erde denkbar wäre.

Man kommt in einen der als neu gepriesenen Bahnhöfe - und findet keinen Fahrkartenschalter mehr, sondern ein "Reise-Center" (mit mehr als der Hälfte geschlossenen Schaltern und unwirschen "Beamten", die sich jetzt als "Angestellte" verweigern). In Hamburg drohen zudem Spuck-Kübel im Riesen-Format mit der Aufschrift: "Ihr Clean-Spatz hält den Bahnhof sauber".

Wahrscheinlich ist deshalb die "Wandelhalle" zwischen Kirchenallee und Glockengießerwall eine der documenta-reifen Schmuddelstrecken der Republik.

Man muß kein Anhänger der französischen Sprachpuristen sein, die das Mischmasch aus Franglais, aus Français und Anglais, per Gesetz verdammen und hot dog, die wenig appetitliche Zwischenmahlzeit, als chien chaud (heißen Hund) verkaufen lassen, um sich darüber zu wundern, daß der Deutsche Bundestag jetzt einen Kiosk mit T-Shirts und Postkarten von Abgeordneten nicht als Bundestagslädchen betreiben will , sondern als BT-Shop.

Ein großer Verlag deutscher Autoren biedert sich Lesern und Buchhändlern mit einem monatlichen Newsletter an. Wo deutsche Bücherämter ihre Autoren in das (vermeintlich Geld bringende) Ausland abschieben, mögen die Hamburger Bücherhallen nicht zurückstehen. Sie werben für deutsche Literatur mit dem Ekel-Spruch "Hits for Kids".