Vieles wird erforscht, manches ist schlicht erfunden. Fall 1: Mit großem Fleiß und über lange Zeit hinweg haben die beiden Professoren Friedhelm Herrmann und seine ehemalige Lebensgefährtin Marion Brach wichtige Elemente ihrer Publikationen offenbar einfach erfunden. So konstatierte eine gemeinsame Kommission der Universitäten Ulm, Lübeck und Berlin zur Untersuchung der Vorwürfe in der vergangenen Woche, Herrmann und Brach hätten "über einen langen Zeitraum, mindestens von 1988 bis 1996, in ihren wissenschaftlichen Arbeiten Ergebnisse und Aussagen in beispiellosem Umfang gefälscht". Bereits 37 höchst verdächtige Veröffentlichungen der beiden seien identifiziert. Das Forscherpaar war von 1988 bis 1993 auch an den Universitäten Mainz und Freiburg aktiv, wo ebenfalls Untersuchungskommissionen walten. In einem Zwischenbericht vom 6. August konstatiert die Freiburger Uni, es seien über die bereits bekannten hinaus "weitere 12 fälschungsverdächtige Arbeiten" entdeckt worden. Ende dieses Monats werde ein abschließender Bericht folgen.

Auch in Großbritannien fliegen mehr und mehr Fälschungen auf. So wird, Fall 2, dem ehemaligen Sekretär der Standesorganisation Royal College of Physicians in Edinburgh, John Anderton, vorgeworfen, Daten einer klinischen Studie erfunden zu haben. Dem Arzt wurde die Approbation entzogen. Fall 3: Wie das British Medical Journal (BMJ) berichtet, mußte auch der Neurologieprofessor Peter Behan kürzlich vor Gericht eingestehen, daß er in einer Untersuchung über den Zusammenhang zwischen dem Chronischen Müdigkeitssyndrom und Belastungen des Körpers mit Pestiziden aus der Gruppe der Organophosphate falsche Angaben gemacht hatte. Genau hierzu hatte Behan zuvor als Experte in einem Prozeß ausgesagt, in dem ein Landarbeiter mehr als eine halbe Million Mark Schadenersatz wegen einer solchen Pestizidbelastung erstreiten wollte.

Mittlerweile haben neun britische Medizinzeitschriften beschlossen, ein gemeinsames Committee on Publication Ethics (COPE) zu gründen. An COPE wollen sich auch die beiden international bedeutenden Blätter The Lancet und BMJ beteiligen. Hintergrund sind zunehmende gerichtliche Auseinandersetzungen mit Forschern, denen die Zeitschriften Fehlverhalten vorgeworfen hatten - und die nun dagegen klagen. Trotzdem wollen die Chefredakteure auch in Zukunft den Sumpf der Fälscher und Pfuscher austrocknen helfen.

Großes Aufsehen in Fachkreisen erregte kürzlich Fall 4, der Widerruf einer Publikation über östrogenartige Wirkungen von chlororganischen Pestiziden.

Bereits seit Jahren grassiert die Sorge, Umweltchemikalien könnten den Hormonhaushalt von Mensch und Tier stören. Ein prominenter Vertreter dieser These, John McLachlan von der Tulane University in New Orleans, hatte vor rund einem Jahr die Debatte durch den Befund angeheizt, daß Umweltchemikalien ihre Wirkungen auf fatale Weise gegenseitig verstärken könnten. In Experimenten an Hefezellen wollten McLachlan und fünf Mitarbeiter nachgewiesen haben, daß sich der störende Hormoneffekt vertausendfache, wenn nicht nur ein, sondern zwei Pestizide gleichzeitig vorlägen. Diese besorgniserregende Synergie hatten jedoch seither mehrere Forschergruppen vergeblich zu reproduzieren versucht. Unter dem Druck der Kollegen hat McLachlan nun konzediert (Science, Bd. 277, S. 462), daß er die eigenen Experimente nicht mehr wiederholen konnte. Es müsse ein "fundamentaler Fehler" unterlaufen sein.