Die grünen Panzer trugen die Aufschrift "Biljana ist unsere Zarin". Mit dieser Parole eroberten sie siebzig Prozent des ethnischen Flickenteppichs Bosnien-Herzegowina. Für die bosnischen Serben, für deren neue Republik Srpska.

Der grüne VW Passat-Kombi, der jetzt in aller Frühe vor den alten Kultur- und neuen Präsidentenpalast in Banja Luka rollt, trägt das Polizeikennzeichen "P 10106". Der Golf, der den VW der Präsidentin eskortiert, hat gar kein Nummernschild mehr, nur ein abgestoßenes Martinshorn.

Biljana Plavsic will keine serbische Zarin mehr sein. Sie möchte die Republik retten, die Radovan Karadzic und seine Spießgesellen 1992 ausriefen und durch Kriegsgreuel und Korruption zum Schandfleck und Armenhaus Europas gemacht haben. Deshalb hat sich die im vergangenen Jahr zur Präsidentin gewählte Weggefährtin Radovan Karadzic' - den mutmaßlichen Kriegsverbrecher ließ der Westen nicht mehr kandidieren - vor ihrem langjährigen Mentor aus dem Staube gemacht. Vom ebenso malerischen wie mafiotischen Bergnest Pale im Südosten Bosniens ist sie in die westbosnische Großstadt Banja Luka übergesiedelt.

Deren Tradition und Wirtschaft waren stets auf das Mittelmeer und Europa ausgerichtet.

So ist der Doppeladler mit der Popenkrone, das Wappentier der bosnischen Serben, unvermutet zum Symbol der Doppelherrschaft geworden. Die Führung in Pale lebt weiter von der Kriegsdividende durch den schwarzen Markt. Der Präsidentenstab in Banja Luka hingegen setzt auf Friedensdividende in Form von Wiederaufbauhilfe.

Mit Biljana Plavsic hat die internationale Gemeinschaft in Bosnien die Puppe in der Puppe gefunden. Die Republik Srpska, die heute vornehmlich von Serben bewohnte Hälfte Bosniens, die sich über 49 Prozent des Territoriums erstreckt - 51 Prozent hält die kroatisch-muslimische Föderation - läßt sich nun politisch auseinandernehmen. Die potentiellen Kriegstreiber in Pale können, wenn das Unternehmen gutgeht, in ihrem eigenen Anwesen und Unwesen isoliert werden.

Umbrüche von Loyalitäten und Leidenschaften gehören zur Geschichte des politisch zerklüfteten Balkan, wo die Mythen der Vergangenheit so abrupt die Gegenwart und ihre Gemeinschaften zerreißen können. Doch auch die besten Kenner Bosniens hätten noch vor kurzem eines nicht zu prophezeien gewagt: daß sich ausgerechnet die 67jährige Biologieprofessorin und unverhohlene Rassistin Biljana Plavsic nach Westen kehren würde. Für ihre Intimfeindin Mira Markovic, die giftige Gattin des jugoslawischen Präsidenten Milosevic, war Frau Plavsic im Bürgerkrieg die "serbische Mengele". Aber auch nüchterne Beobachter empfanden ihre Aufrufe als Volksverhetzung. Sechs Millionen toter Serben, so erklärte Biljana Plavsic einmal, wären kein zu hoher Preis, wenn aus diesem Opfer ein neuer Staat entstünde. Die Tochter eines Biologen, der im Zweiten Weltkrieg ausgerechnet zu den kroatischen Faschisten gute Verbindungen unterhielt, entwickelte ihren serbischen Patriotismus in den USA. Dort geriet sie als Fulbright-Stipendiatin zu Beginn der siebziger Jahre an serbische Emigrantenkreise.