9.Verhandlungstag (30.Juli).Es beginnt die Vernehmung von Friedrich Möll, dem früheren Repräsentanten der Deutschen Centralbonden Kredit AG. Vorsitzender Richter Gehrke: Herr Dr.Möll, wie haben Sie sich selbst gesehen im Hinblick auf die Frage, wessen Interessen Sie zu vertreten haben bei der Vermittlung von Krediten? Möll: Als freier Makler habe ich natürlich auf beiden Seiten die Interessen vertreten.Das war der Bank auch klar.Ich habe die Interessen des Kunden aufbereiten müssen, der Bank vortragen müssen. Vorsitzender Richter Gehrke: Haben Sie sich als eine neutrale Zwischenposition angesehen? Möll: Ich war absolut neutral.Ich habe das wertfrei gemacht in dem Sinne, daß ich für keine Seite eine verpflichtende Aussage gemacht habe.Ich habe gesagt, wie ich das sehe, und ich habe das auch in der Regel selbst auf Vorstandsebene besprochen. Vorsitzender Richter Gehrke: Nun ist diese unabhängige Stellung schon systembedingt dadurch in Frage gestellt, daß Sie Provisionsansprüche hatten, wenn Sie Kredite vermittelten, und kein Geld bekamen, wenn Sie keine Kredite vermittelten. Möll: Das hat man doch bei jedem Geschäft. Vorsitzender Richter Gehrke: Aber einer, der Zeitschriftenabonnements vertreibt, wird sich nicht als Stellvertreter der Kunden sehen.Der sieht sich natürlich verpflichtet, für denjenigen die Interessen wahrzunehmen, von dem er Provision bekommt. Möll: Wenn Sie darauf hinauswollen, daß meine Interessenlage überwiegend darin lag, Provisionen zu bekommen, dann täuschen Sie sich.Die Frage, ob ich Provision bekomme oder nicht, ist nie Gegenstand der Vermittlung gewesen.Die Erörterung eines Finanzierungsantrages ging immer von Fakten aus und von der Frage, ist das rechenbar für die Bank.Natürlich lebt jeder Mensch von einer positiven Entscheidung.Aber das ist von mir nicht aus Provisionsgründen positiv dargestellt worden.Das wolle n Sie doch damit sagen. Vorsitzender Richter Gehrke: Ich will überhaupt nichts sagen, ich stelle nur Fragen.Und wenn Sie Äußerungen tun, die in der Form wenig Glaubwürdigkeit haben, werde ich mir immer die Freiheit nehmen, Ihnen zu sagen, daß ich Ihnen da nicht folgen kann. Gegen Ende dieses Verhandlungstages resümiert der Vorsitzende Richter Gehrke: Wenn etwas Ihre Tätigkeit kennzeichnet, wie sie sich uns aus Schriftstücken darstellt, dann ist es ein extremes Hochjubeln der Bonität des Kreditnehmers, der genialen Konstruktion dessen, was hier geplant ist, der Machbarkeit, der Finanzierbarkeit.Ich kann eine unendliche Latte von Schreiben vorlegen, in denen Sie in dieser Art und Weise dieses Projekt begleitet haben.Das heißt nicht "Plausibilität", sondern das heißt Anpreisen, Anpreisen eines Objekts. Und wenn die Bank zögerlich reagiert hat, dann haben Sie in deutlicher Weise Ihr Unverständnis geäußert. 10.Verhandlungstag (6.August).Die Zeugenvernehmung von Möll wird fortgesetzt. Vorsitzender Richter Gehrke: Herr Dr.Möll, ist es richtig, wie Herr Dr. Schneider in seiner Vernehmung gesagt hat, daß Sie den "Rohling" der Finanzierungsanfrage zum Überarbeiten, also zur Vornahme von Korrekturen im Text und im Zahlenwerk, mit nach Hause genommen haben? Möll: Er hat mir diese Finanzierungskonzepte zugehen lassen.Ich habe dazu dann auch gestalterische, also zuordnungsmäßige Dinge gemacht, weil ich schon von der Bank aus wußte, was sie braucht, um eine schnelle Entscheidung treffen zu können. Vorsitzender Richter Gehrke: Haben Sie die Grunddaten, also Quadratmeterzahlen, vermietbare Flächen, erwartete Mieterträge oder so etwas, geändert? Möll: Quadratmeterzahlen grundsätzlich nicht.Über die Mietansätze haben wir selbstverständlich diskutiert, ob etwas überzogen ist oder nicht.Ich habe grundsätzlich darauf hingewirkt, daß im Ansatz dieser Kalkulationsgrundlagen möglichst viele Reserven entstanden sind. Vorsitzender Richter Gehrke: Haben Sie die Zahlen, die in Finanzierungsfragen drin waren, nachgerechnet und auf Plausibilität geprüft? Möll: Für mich gab es in der Finanzierungsfrage eigentlich nicht viel nachzurechnen und auch nicht zu prüfen. Vorsitzender Richter Gehrke: Und an den Quadratmeterpreisen? Möll: Die waren nach den damaligen Verhältnissen am Markt auf sicherer Basis. Vorsitzender Richter Gehrke: Und Sie hatten keine Ahnung, daß es Nettogrundrißflächen als vermietbare Flächen nicht gibt? Möll: Ich wußte aus gewerblich genutzten Objekten, die voll überbaut sind, daß zum Beispiel die Verkehrsflächen intern mit hinzugerechnet werden. Vorsitzender Richter Gehrke: Das schon, aber nicht mit vermietet.Wollen Sie eine Rolltreppe vermieten oder was? 11.Verhandlungstag (7.August).Verteidiger Salditt, der Schneider vertritt, befragt den Zeugen Möll: Die Vermögensaufstellung am 22.November 92 zu Ende September 1992 endet mit dem Satz: Das Vermögen Dr.Schneiders "hat sich somit in den Monaten Januar bis September 1992 um 1 039 132 000 Mark erhöht". Das ist ja bemerkenswert, wenn eine einzige natürliche Person in neun Monaten einen Vermögenszuwachs von über einer Milliarde vereinnahmt - und zwar nicht durch Spekulation an der Börse.Sind Sie da nicht erschrocken? Vorsitzender Richter Gehrke: Im Lotto ist das auch nicht zu machen. Möll: Erschrocken bin ich deshalb nicht, weil er wahnsinnig große, schöne, alte, wertvolle Gebäude hatte. Textdokumentation: Josef Hrycyk