Das erste Kamelrennen im Lande wird demnächst am künftigen Regierungssitz, in Berlins Hoppegarten, ausgetragen. Schirmherrschaft: die Herren Diepgen und Stolpe. Das soll wirklich nur aus Chronistenpflicht mitgeteilt werden, um auch jeden Hauch eines Mißverständnisses zu vermeiden, man delektiere sich in unlauterer Absicht an dem Gedanken, wie die Kulturmetropole sich allmählich in die Hauptstadtrolle hineinfindet. Also: Ende der reinen Nachricht.

Auch das ist eine Nachricht: Günter Grass will wieder trommeln, diesmal für Rot-Grün. Und Friedel Drautzburg, Mitstreiter von Grass' erstem Werbefeldzug für die SPD ("Tagebuch einer Schnecke") und legendärer Bonner Politwirt, richtet sich in Berlin ein. Gemeinsam mit Harald Grunert eröffnet Drautzburg, der immerhin die "Ja-zu-Bonn"-Bürgerinitiative begründete, am Schiffbauerdamm demnächst eine Kneipe: "Ständige Vertretung - Rheinisch-Berliner Wirtschaft".

Manche politisch korrekte Bonner klagen jetzt über Verrat. Ganz im Gegenteil.

So sind sie, die Rheinländer. Tausend Unterwandererstiefel!

Einen "Betriebsunfall" hat der Mannheimer Richter Wolf Wimmer sein eigenes Urteil genannt, in dem es hieß, den typischen Vorderpfälzer kennzeichne "extreme Antriebsarmut" und "chronischer Unfleiß", er versuche sich durchzuwursteln. Auf den flammenden Protest des Landesvaters Kurt Beck folgt also die lustige Entschuldigung Wimmers: Er bedaure das Mißverständnis zutiefst, sei kein Volkskundler, habe die Sache ein bißchen schnell herunterdiktiert, aber andererseits liebten die Leute doch "eine klare Sprache".

Kamele, das neue "STÄV" in Berlin, die faulen Vorderpfälzer, das hat nichts miteinander zu tun, bloß mit der Augusthitze. Ach, übrigens: Wolfgang Schäuble möchte über die Rolle des Bundesrats debattieren, Helmut Kohl aber nicht. Gern wird der Kanzler sich auch nicht auf den Vorstoß der CSU einlassen, das Kabinett umzubilden. Da werden sie wieder sagen: Wimmer hat recht, die Pfälzer! Dabei ist Kohl, weiß die Volkskunde, zuallererst Realist.