Dirk Maxeiner: "Die Launen der Sonne" Paul H. Nitze: "Nur gemeinsam verhindern wir die Klimakatastrophe", ZEIT Nr. 31

Mit Entsetzen las ich vom Ausbleiben der Klimakatastrophe. Im Vertrauen auf den meteorologischen Sachverstand und in weiser Voraussicht erwarb ich ein Grundstück in der Prignitz. Hier sollte in meinen alten Tagen mein Jenseits von Afrika sein und für den Übergang der Grundstock einer neuen Toskanafraktion gelegt werden, die Zitronen von Elbe und Ostsee zu selbstangebauten Artischocken nicht weit. Schmerzhaft nahm ich auf mich, daß mich meine Freundin gegen Süden strebend verließ, suchte Halt in afrikanischen Tanzworkshops und der gegenwärtig noch notwendigen Einfuhr südländischen Weins.

Kann ich jetzt, enttäuscht und neu belehrt, gegenüber dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Regreßforderungen wegen mangelhafter Beratungsleistung durchsetzen, zumindest Klaus Hasselmann, den Chef des deutschen Klimazentrums, zu einem Heizkostenzuschuß verpflichten? Oder sollte meine Zukunftsinvestition gänzlich in den märkischen Sand gesetzt sein?

Bernd D. Mikat, Berlin

Wunderbar! Danke, Dirk Maxeiner, für die in diesem Artikel allen Klimasündern dieser Welt erteilte Generalabsolution. Gewissensentlastet setze ich mich gleich in mein Auto, fahre zum nächsten Reisebüro und buche doch noch das verlängerte Wochenende auf den Malediven. Weil schad' ja alles nix, im Gegenteil ...

Nichts gegen Kritik, die die Ergebnisse von Wissenschaftlern hinterfragt, die ihr Forschungsmäntelchen allzugern in die jeweils populäre und geldversprechende Windrichtung hängen. Wobei sich dann aber auch die Frage stellt, ob die vermeintlichen Kritiker nicht gleiches tun und auf einer Welle mit den Leuten mitreiten, von denen jeder noch so zaghafte Vertreter einer naturgerechteren Entwicklung als Wirtschafts- und Sozialfeind abgestempelt wird.

Die richtige Schlußfolgerung hätte lauten müssen: Einigt man sich darauf, daß der Einfluß menschlichen Wirtschaftens auf das heutige und zukünftige Klima relativ schwierig einzuschätzen ist und ebendarum einen Risikofaktor darstellt, dann ist es nach den genannten Prinzipien das sinnvollste, diese Risikofaktoren, also die weltweiten Emissionen, so weit als möglich zu minimieren.