Was macht ein Regenwurm, wenn es ihm im Sommer zu heiß wird? Ganz einfach, er flieht in die feuchte Tiefe. Dort unten stemmt er eine Höhle frei, entleert seinen Darm und teert die Wände mit Kot. Mit diesem hausgemachten Leim stabilisiert er nicht nur die wackligen Erdbröckchen, sondern hält vor allem die lebenswichtige Feuchtigkeit in der Höhle. Dann ringelt er sich zusammen, steckt sein Vorderende in die Mitte seiner Leibeswindungen und wartet auf besseres sprich feuchteres Wetter. Auch wenn Veronika Straaß gerne solche Geschichten erzählt, ein Kinderbuch ist ihr "Natur erleben das ganze Jahr" (BLV-Verlag, München 1997, 39,90 Mark) trotzdem nicht oder zumindest nicht ausschließlich. Die immer wiederkehrenden Hinweise "Spielen und Experimentieren" sind zwar eindeutig Spielanleitungen für Kinder, die mit dieser Hilfe zum Beispiel einen Insektenstaubsauger basteln lernen. Doch auch Eltern erfahren einiges, was der recht trockene Titel "Natur erleben" zunächst gar nicht vermuten läßt. Oder hätten Sie gewußt, wo der Regenwurm seinen Winterschlaf hält? Richtig, in der kalten Jahreszeit zieht er sich erneut in eine kotverkleidete Höhle zurück, diesmal aber in zwei Meter Tiefe, dort friert er mit Sicherheit nicht ein. Daß da unten der Sauerstoff knapp ist, macht dem Regenwurm wenig aus. Dem Maulwurf dagegen droht in der Tiefe der Tod durch Ersticken. Daher füllt er sich rechtzeitig vor dem Wurmwinterschlaf eine Vorratskammer mit seiner Leibspeise. Mit einem gezielten Biß in das Vorderende lähmt er die Beute und hindert sie so an der Flucht. 1280 solcher bewegungsunfähiger Regenwürmer zusammen mit 18 Engerlingen fanden Biologen einmal in einem Maulwurfdepot - mehr als vier Pfund Eingemachtes für den Winter. Mit einer Fülle solcher Beispiele macht Veronika Straaß vor allem Städtern und ihren Kindern Appetit auf den nächsten Ausflug in die Natur.