PANSCHWITZ-KUCKAU. - Zwar nicht von Gott verlassen, aber von der Welt, liegt das Zisterzienserkloster St. Marienstern im östlichsten Zipfel der Republik. Touristen kommen selten über Dresden hinaus, obwohl die Autobahn durch die sächsische Oberlausitz dank "Aufbau Ost" schon ganz ordentlich hergerichtet und der Weg ins Sorbendorf Panschwitz-Kuckau und zum Kloster nun deutlich geringere Anforderungen an die Stoßdämpfer stellt. Die Schwestern sind noch nicht auf Tagesausflügler eingerichtet. Außer der schlichten Abteikirche, die nach zisterziensischem Brauch allem Prunk entsagt, steht dem Publikumsverkehr nur die Klosterstube offen und ein "Klosterladen" mit dem Allernötigsten aus dem frommen Sortiment: Postkarten, Kerzen, Klosterlikör und besinnliche Bücher. "Klausur" steht über dem rückwärtigen Eingang geschrieben. Hier zu den eigentlichen Schätzen des Klosters vorzudringen ist Touristen bislang verwehrt.

Nächstes Jahr wird es vorbei sein mit der Ruhe, denn der Freistaat Sachsen hat den entlegenen Ort zum Schauplatz der ersten Landesausstellung erkoren.

Die Idee periodischer Ausstellungen zum Ruhme der eigenen Vergangenheit stammt aus Österreich und Bayern. Daß die nicht minder stammesbewußten Sachsen auch auf diesem Gebiet nachziehen, war nur eine Frage der Zeit. So werden also die Schwestern erstmals seit Gründung der Abtei im Jahre 1248 die streng gehütete Klausur freiwillig für Horden fremder Menschen öffnen - eine Revolution im Leben der Zisterzienserinnen, die die lokalen Auswirkungen der sogenannten Wende fast in den Schatten stellt.

Mehr als fünf Millionen Mark hat der feinsinnige Dresdner Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer, selbst eine eher preußische Erscheinung, seinem Kollegen vom Finanzressort abgerungen. Eine beträchtliche Summe für ein solch anspruchsvolles Ausstellungsprojekt, wenn man bedenkt, daß der populäre Tag der Sachsen, ein überdimensionales Volksfest an wechselnden Orten, vergangenes Jahr mit einem Fünftel an Subventionen auskommen mußte.

Einen Massenansturm von 300 000 Landsleuten wie zum letzten Sachsentag in Torgau müssen die frommen Frauen nicht befürchten. Gut 100 000 Besucher aus Sachsen und ganz Deutschland werden sich nach Schätzungen des Ministeriums die erste Landesausstellung "Zeit und Ewigkeit" anschauen, die sich mit "Kirche, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter" beschäftigt und mit der 750-Jahr-Feier des Klosters zusammenfällt. Eröffnung ist am 13. Juni 1998.

Nach vier Monaten soll alles wieder vorbei sein.

"Wir haben uns schon etwas schwergetan", sagt Schwester Benedikta, die als Äbtissin den 23 Schwestern in St. Marienstern vorsteht. "Aber es ist ja nur für eine kurze Zeit. Wir werden noch genug Raum haben, um uns die Stille zu bewahren." Eine kleine Entscheidungshilfe waren vielleicht die zwei Millionen Mark, die im Ausstellungsetat für die Sanierung der Schauräume im bislang noch geschlossenen Teil des Klosters und die Restauration klostereigener Exponate vorgesehen sind. Die Fassaden und Außenanlagen der Abtei werden schon jetzt auf Vordermann gebracht.