MÜNSTER. - Hat das Kind erst mal einen Namen, kann es sehen, wie es damit zurechtkommt.Wer möchte schon Erich heißen?Oder Adolf?Oder Wilhelm? Wilhelm.Das klingt!Ja, wie klingt das denn? Anrüchig, meint manch einer in Münster.Denn dort steht die Westfälische Wilhelms-Universität.Benannt nach Wilhelm Zwo, dem letzten deutschen Kaiser. Vor neunzig Jahren bekam die Hochschule den Namen, zum Dank dafür, daß Kaiser Wilhelm II. ihr den Rang einer Volluniversität gab.Doch nun habe er längst abgedankt, der Name, dachten sich einige Studenten angesichts der bevorstehenden Feierlichkeiten zum 350.Jahrestag des Westfälischen Friedens. Sie kamen auf die Idee, den Namen der Universität als zeitgemäßen Beitrag zum Friedensgedenken abzuändern.So sollte sich die Friedensstadt Münster doch eher mit einer "Westfälischen Friedens-Universität" schmücken, als weiter dem alten Wilhelm zu huldigen.Und schon hatten die Vertreter der Studenten im Senat mit ihrem Anliegen einen Streit vom Zaun gebrochen, wie ihn die Uni noch nicht gesehen hatte. Schließlich wurde eigens eine Kommission eingesetzt, die, mit gebührlich Zeit und Muße ausgestattet, dem Namensproblem auf den Grund ging.Und zwar gründlich.Sie diskutierte drei Sitzungen lang das Psychogramm des letzten deutschen Kaisers ausführlich und bewertete dessen historische Rolle eingehend.Das Ergebnis war niederschmetternd.Wilhelm wurde als radikaler Antisemit und Kolonialpolitiker geoutet.Und das im Namen einer Universität, im Namen von Aufklärung und Bildung, demokratischem Selbstver ständnis und Wandel.Untragbar!Mit einem knappen Abstimmungsergebnis von 6 :4 empfahl die Kommission, den problematischen Namenspatron loszuwerden. Spätestens bis zum nächsten Semester soll nun eine Entscheidung fallen. Inzwischen fragen besorgte Leserbriefschreiber in der Lokalpresse, ob man denn an der Universität nichts Besseres zu tun habe und was das denn alles koste?Das letzte Wort in der unerquicklichen Namensdiskussion hat sich das Rektorat der Hochschule vorbehalten.Damit dürfte auch sicher sein, daß ein Vorschlag aus Studentenkreisen nicht verwirklicht wird.Der sah nämlich statt des Gedenkens an Wilhelm das Andenken an eine berühmt-berüchtigte ehemalige Studentin der Uni Münster vor: Ulrike-Meinho ff-Universität. Ob die Studenten allerdings mit dem nötigen akademischen Ernst und wissenschaftlichen Eifer bei der Sache sind, mag ohnehin bezweifelt werden. Denn ausgerechnet die Mehrzahl der Studenten sprach sich nun kürzlich in einer Umfrage der Universitätszeitung gegen eine Namensänderung aus.Das verstehe, wer will, denn schließlich waren es ja Studenten, die den Streit um Wilhelm entfacht hatten.In der Umfrage sagten nun aber über sechzig Prozent der befragten Studenten, eine Änderung des Namens sei überflüssig, weil sie sich sowieso nicht mit dem Namen der Hochschule identifizierten. So ist das also.Zumindest an der Westfälischen "No name"-Universität.