Bonn

Kürzlich kam Walter Scheel auf sie zu. Was sagt so ein alter Herr, Bundespräsident a. D. und Ehrenvorsitzender der FDP, zu einer unbekannten Nachwuchspolitikerin, von der ihn mehr als ein halbes Jahrhundert Lebenserfahrung trennt? Etwas Gütiges, sollte man meinen, etwas Großväterliches. Aber Walter Scheel nahm Maja Schmidt fest in den Blick und brummte: "Nun haben Sie sich mal nicht so: Als ich Student war, mußte ich auch Gebühren zahlen."

Zu Maja Schmidt muß man nicht mehr mild sein. Dazu "nervt" sie die Granden der Liberalen viel zu oft, wie Guido Westerwelle, der Generalsekretär, anerkennend bemerkt. Maja Schmidt ist im Frühjahr schon zum zweiten Mal in den Bundesvorstand der Partei gewählt worden. Sie ist 22 Jahre alt und zählt zur ersten Riege der FDP-Jugend. Soweit es ihr Jurastudium zuläßt, versucht sie, die Bildungspolitik der Liberalen wiederzubeleben.

Eigentlich sollte sie damit leichtes Spiel haben. Dem Parteivorsitzenden Wolfgang Gerhardt liegt das Thema Bildung am Herzen. Ende der achtziger Jahre war er Wissenschaftsminister in Hessen, auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz. Manche sagen ihm sogar einen begehrlichen Blick auf das Amt des Bundesbildungministers nach. Ein ambitionierter Fachmann also, aber Maja Schmidt fühlt sich von Gerhardt eher gebremst als ermuntert: "Zu ihm dringen neue Ideen einfach nicht vor", klagt sie. "Er hat seine bildungspolitischen Vorstellungen in den ideologisch blockierten siebziger Jahren entwickelt."

Ganz fair ist das nicht. Immerhin fordert Gerhardt heute fürs ganze Land, was er vor acht Jahren in Hessen abschaffen ließ: Studiengebühren. Eben daran entzündet sich der Streit, den der Parteichef derzeit mit der jungen Bildungspolitikerin und dem Jugendverband der FDP ausficht. Maja Schmidt und der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Michael Kauch, drohen gemeinsam, Gerhardt die Gefolgschaft aufzukündigen, wenn er mit der Forderung, bei Langzeitstudenten abzukassieren, in den Wahlkampf ziehen will.

Die "Julis" halten es für unzeitgemäß, mit Strafgebühren den schnellen, braven Studenten der fünfziger Jahre herbeizwingen zu wollen. Wer sich heute sein Studium durch Jobs verdienen muß oder, wie Schmidt und Kauch, Politik betreiben will, dürfe nicht zur Eile gedrängt werden. Natürlich müßten die Massenuniversitäten entlastet werden. Doch statt die Studienzeit zu begrenzen, will Maja Schmidt lieber die Leistungen kontingentieren: "Bildungsgutscheine" sollen sicherstellen, daß jeder Student Anspruch auf die gleiche Anzahl von "Bildungseinheiten" hat - wann die Gutscheine "eingelöst" werden, soll jeder selbst entscheiden.

Im Kern stimmt Maja Schmidt mit Wolfgang Gerhardt überein: Schulen und Hochschulen sollen eigenständiger werden und mehr miteinander konkurrieren.