Der Odem der Liebe erquicket die Seele. Das klingt gut. Noch besser klingt es mit Musik und am besten auf italienisch: "Un' aura amorosa" ...

"Der Odem der Liebe": dieses singt ein gewisser Herr Ferrando, Tenor, in Mozarts musikalischer Komödie "Cos fan tutte". Das Stück handelt, simpel gesagt, von der Flüchtigkeit der sogenannten ewigen Liebe. Zwei Paare, eben noch innig und brünstig vereint, entzweien sich - und finden sich am Ende wieder. Ziemlich ernüchtert, aber vielleicht auch erleichtert. Denn die ewige Schwerarbeit der Verzauberung und Verführung überfordert den schwachen Menschen doch sehr.

Die Liebe liebt das Wandern (Schubert, Franz) - doch der Wandermüde braucht doch auch einen Hafen, eine Ruhestätte, wo er zwischen zwei erotischen Expeditionen verweilen und durchatmen kann. "Cos fan tutte" ist, wie jeder weiß, unter den unsterblichen Meisterwerken Mozarts eines der unsterblichsten.

"Der Odem der Liebe" - wie oft haben wir dieses alte Lied, fröhlich an der Hamburger Alster entlangradelnd, vor uns hingesungen oder gepfiffen (bevor dann, im Anblick des Pressehauses, der Gesang erstarb). Aber was das denn sei, der Odem der Liebe, haben wir uns komischerweise nie gefragt.

Und nun kommt die Antwort auf keine Frage, und zwar in Woody Allens neuem Film "Alle sagen: I love you". Der Odem der Liebe kommt nicht aus irgendwelchen himmlischen Höhen oder aus den Weiten und Tiefen des Ozeans. Der Odem der Liebe kommt direkt aus der dünnen Brust, den löchrigen Lungen des kleinen Mannes. Die Szene, welche dieses für alle Zeiten beweist, ist die weitaus schönste des Films. Genaueres später.

Nur soviel jetzt schon: "Alle sagen: I love you" ist, wie "Cos fan tutte", eine Komödie mit Musik, Woody Allens erstes und vermutlich auch schon letztes Musical. Und die Geschichte des Films ist die gute altbekannte: Die Liebe wandert, die Liebe fliegt, und dann kehrt sie auf die heimatliche Erde zurück. Mit gebrochenen Flügeln oder auch nicht. "Alle sagen: I love you" ist unter den unsterblichen Meisterwerken Woody Allens gewiß eines der sterblicheren Exemplare. Eine Enttäuschung. Aber natürlich eine der glücklichsten dieses Jahres.

Wer das Musical schon immer gehaßt und Woody Allen immer schon geliebt hat, konnte auf eine dramatische Begegnung hoffen. Woody Allen würde das gründlich verkommene und verhurte Genre heldenhaft retten, als Märchenzwerg und romantischer Ritter. Wenn nicht, dann würde er die verblödete Gattung entschlossen vernichten, mit ätzendem, tödlichem Spott. Oder es würde aus der historischen Begegnung eine Gewitteraffäre, ein Drama der Haßliebe werden.