Verrat oder Rettung? Die Diskussion war heftig: "Jetzt hat der große Bruder endgültig gewonnen", wetterte ein Teilnehmer. "Schwachsinn", erwiderte ein anderer, "der Deal gibt Apple endlich wieder etwas Stabilität."

In den Online-Foren der Fans des Computerkonzerns Apple ging es hoch her, nachdem sein Gründer Steve Jobs vergangene Woche überraschend auf einer Computermesse eine ganz besondere Nachricht verkündet hatte: Microsoft wird mit 150 Millionen Dollar bei dem angeschlagenen Unternehmen einsteigen - und damit die Rivalität beenden, welche die Personalcomputer-Branche seit über einem Jahrzehnt prägt.

Das ist ein harter Schlag für eingefleischte Apple-Anhänger. Denn für sie ist der bedienungsfreundliche Macintosh-Rechner eine Ersatzreligion - und Microsoft-Chef Bill Gates der Antichrist. "Apple hat bisher verhindert, daß er zum absoluten Herrscher der Technologie wird", sagt Colleen Miller, Direktorin bei der Berkeley Macintosh User Group, einer der größten Nutzergruppen weltweit.

Der Pakt dürfte vor allem als genialer Mediencoup von Jobs in die Annalen eingehen - und als ebenso genialer Schachzug von Microsoft-Chef Bill Gates. Denn trotz des Geschäfts ist weiterhin ungeklärt, was aus Apple werden soll. Sicher scheint dagegen, daß Microsoft davon profitiert.

Jobs hatte immer schon eine Vorliebe für effektvolle Gesten. Über der Garage seiner Eltern, in der er 1976 Apple gründete, wehte eine schwarze Piratenflagge. Und als der Ingenieur 1985 nach einem Streit vom damaligen Apple-Chef John Sculley gefeuert wurde, verkaufte er alle seine Aktien an dem Unternehmen - bis auf eine, um den Jahresbericht weiter zugeschickt zu bekommen.

Erst vor wenigen Monaten als Berater zu Apple zurückgekehrt, übertraf Jobs sich diesmal freilich selbst. Nicht nur, daß er die Allianz mit Microsoft vor zweitausend Apple-Fans auf der MacWorld Expo im amerikanischen Boston bekanntgab. Er lud auch noch zur Feier des Tages Bill Gates ein: Überlebensgroß erschien der reichste Geschäftsmann der Welt auf einer Videowand, zugeschaltet aus dem Microsoft-Hauptquartier in Seattle.

Die Reaktion vieler Anwesender: blankes Entsetzen. Einige verließen den Saal. Andere machten ihrem Unmut mit lauten Buhrufen Luft. Jobs sah sich gezwungen, die Wogen zu glätten: "Wir müssen uns von der Vorstellung trennen, daß Microsoft verlieren muß, damit Apple gewinnen kann. Microsoft hat mehr Dankbarkeit verdient."