Der Frieden in Bosnien ist und bleibt brüchig. (...) Die Gefahr ist keineswegs gebannt, daß er in einer neuerlichen kriegerischen Explosion wieder zerplatzt.

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Mit kurzatmigen Missionen wie der jüngsten Stippvisite des amerikanischen Dayton-Unterhändlers Richard Holbrooke läßt sich der Friedensprozeß nicht befestigen - schon gar nicht, wenn der Kongreß gleichzeitig signalisiert, daß die US-Truppen im Juni 1998 abgezogen werden, und den europäischen Verteidigungsministern daraufhin nichts Besseres einfällt, als wieder das alte Lied anzustimmen: "Zusammen rein, zusammen raus". Die Lokalmatadoren kann dies nur ermuntern, ihre Kalaschnikows dauernd geölt zu halten.

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Die Schwäche des Dayton-Abkommens lag darin, daß es höchst unrealistische Fristen setzte. (...) Der Westen, wollte er sich nun auf das Abzugsdatum Juni 1998 festlegen, würde damit bloß seinen alten Fehler wiederholen. Das Kriterium für den Abzug können nicht willkürlich gesetzte Fristen sein. Das einzig gültige Kriterium ist die Erfüllung des Auftrags: die verläßliche Fundierung von Frieden, Stabilität, Demokratie und Wohlstand.

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"Der amerikanische Anteil an der Stabilisierungsstreitkraft in Bosnien sollte beibehalten werden. (...) Begingen die Amerikaner jedoch den katastrophalen Fehler, ihr Engagement völlig abzubrechen, so könnten die Europäer ihrer eigenen Verantwortung für die Bewahrung des Friedens in Bosnien nicht ausweichen."