Für 150 Millionen Dollar kaufte vergangene Woche der Softwareriese Microsoft ein kleines Aktienpaket der schlingernden Computerfirma Apple. Was die einen als Rettungsakt feiern und die anderen als Anfang vom Ende bejammern, ist aber nur ein durchsichtiger Schachzug von Microsoft. Die Firma beherrscht den Markt für Betriebssysteme und Bürosoftware und rumpelt deshalb immer wieder mit der US-Kartellbehörde zusammen; ein halblebiger Konkurrent, der gerade noch als Alibi herhalten kann, ist ihr da lieber als ein toter.

Ein anderer Konkurrent, Larry Ellison, Chef des Datenbankspezialisten Oracle, hat gerade im Aufsichtsrat von Apple Platz genommen. Er führt seit Jahr und Tag gegen die Übermacht von Microsoft seinen sogenannten NC ins Feld, den Netzcomputer, der billig zu produzieren und einfach zu warten sein soll - und der weder Chips von Intel noch ein Betriebssystem von Microsoft benötigt. Nur leider ist aus diesem NC bislang noch nichts Rechtes geworden. Zu groß ist die Marktmacht der richtigen PCs, und sie wird schier unüberwindlich, wenn der gegenwärtige Preiskrieg zwischen den Prozessorherstellern auf die Endprodukte durchschlägt. Wenn bald ein komplett ausgestatteter PC für 2000 Mark zu haben sein wird, kann ein NC für 1500 Mark dagegen kaum ankommen. Auch das Argument der geringeren Wartungskosten, mit dem Firmenkunden umworben werden, ist nicht ganz stichhaltig: Im NC steckt noch viel PC-Technik mit all ihren Macken.

Nun soll aber bald ein ganz anderes Gerät auf den Markt kommen, leicht zu bedienen und billig zugleich: ein tragbarer Computer, der nur 599 Dollar kostet, weil er mit einfachster Technik auskommt. Die Firma Brother, Hersteller von Druckern, Schreib- und Nähmaschinen, will damit ihr Glück versuchen. Das Gerät, genannt Geobook, sieht aus wie ein Notebook, enthält aber keine Festplatte und keine Software, die man erst laden müßte, ehe man damit arbeiten kann. Das Betriebssystem und alle Anwendungen sind fest in die Hardware eingebaut und damit immer parat. Abspeichern kann man auf Diskette oder speziellen Steckkarten.

Das Geobook begnügt sich mit ganzen vier Megabyte Arbeitsspeicher, denn als Betriebssystem wirkt das Sparwunder Geos, das vor Jahren einmal als die klügere Alternative zu Microsofts Windows angetreten war. Es konnte sich aber nicht durchsetzen, und bald war es vom PC-Markt nahezu gänzlich verschwunden. Nun ist es in der Version 3.0 wieder da, nochmals sparsamer, mitsamt Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank und einem einfachen Web-Browser. Der Internet-Anschluß ist fertig installiert, und ein Modem steckt auch schon im Gerät. Mit einem Wort: ein Komplettsystem, das alles enthält, was die meisten Anwender je brauchen werden.

Was wird das Geobook denn nun in D-Mark kosten? Ach, seufzt der Marketingmanager von Brother Deutschland, hier fehle für so was einfach das Publikum, man habe mit Versuchen in diese Richtung schlechte Erfahrungen gemacht. Es gibt hierzulande offenbar nur zwei Kundengruppen: einerseits die Computerfreaks mit ihrem libidinösen Verhältnis zu Speichermassen und Leistungsdaten - und andererseits die Technikhasser, die vor jedem Gerät zurückprallen, das auch nur von fern an einen Computer erinnert. Diese Leute kaufen beharrlich elektrische Schreibmaschinen und, wenn sie kühn sind, Speicherschreibmaschinen mit kleinen Bildschirmen, die in der Umständlichkeit ihrer Bedienung einem PC oft nicht nachstehen. Aber niemals kaufen sie einen Computer, weswegen Brother das Geobook in Deutschland gar nicht erst anbietet.

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