Grove: Ganz genau. Bei einer Besprechung mit deutschen Managern wurde ich kürzlich doch tatsächlich gefragt, wie ich überhaupt mit E-Mail arbeiten könne. Von der würde man doch geradezu überschwemmt.

ZEIT: Das ist doch nicht falsch. Nicht immer steigert Technologie die Produktivität. E-Mail ist in vielen amerikanischen Unternehmen zu einem regelrechten Zeitdieb geworden.

Grove: Quatsch. Auch das Telephon, auch Zeitungen wären dann ja Zeitdiebe. Ich jedenfalls kann ohne E-Mail nicht mehr leben. Das ist mein wichtigstes Kommunikationsmedium. Damit verbringe ich zwei Stunden am Tag.

ZEIT: Sie haben mal gesagt: "Was technologisch möglich ist, wird auch gemacht." Ist das nicht ein beängstigender Gedanke?

Grove: Schon möglich. Aber es ist wahr. Zeigen Sie mir doch eine Technologie, die nicht gekommen ist, obwohl sie ausgereift und marktfähig war. Man kann Technologie nicht unter Verschluß halten. Sie können nicht bedenklich den Kopf schütteln und sagen: Diese Technologie mag ich nicht. Ein Konkurrent wird sie bestimmt verwenden. Sie können in Deutschland nicht einfach sagen: Ich benutze keine E-Mail.

ZEIT: Sie sind 1956 von Ungarn in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Hätten Sie auch in einem westeuropäischen Land, etwa Deutschland, genauso erfolgreich sein können?

Grove: In meinem Feld hätte ich anderswo sicher nicht soviel Erfolg gehabt. Allerdings ist SAP ein deutsches Unternehmen, daß immer mehr zu einer weltweiten Software-Macht wird. Es ist also möglich - selbst im Schwarzwald.