Beeindruckende Zahlen brachten deutsche Touristikmanager unlängst von der Konferenz @travel aus Chicago mit. Das Internet-Reisebüro Microsoft Expedia verkauft in den USA täglich 500 Flugtickets und macht damit jede Woche eine Million Dollar Umsatz. Der Mitbewerber Preview-Travel hat bereits eine Million elektronische Kunden registriert. Und der Hotelanbieter Travelweb setzte im März zwei Millionen Dollar um - doppelt soviel wie vor fünf Monaten.

Von solchen Dimensionen ist die deutsche Urlaubsindustrie weit entfernt. Der Reiseverkauf über das Internet steckt noch in den Kinderschuhen. Zwar ist mittlerweile fast die gesamte Ferienbranche in World Wide Web und Online-Diensten vertreten, doch auf den wenigsten Seiten kann man auch Reisen buchen. Die Bahn setzt im Internet bislang nur auf Information, Neckermann Reisen ignoriert das Netz fast ganz - abgesehen von einer kleinen Reiseecke im virtuellen Karstadt-Kaufhaus My world.

Die Trägheit der hiesigen Tourismusgrößen hat mehrere Gründe. Der wichtigste: Viele Unternehmen zweifeln, ob sich Reisen überhaupt in den Netzen verkaufen lassen. Zwar räumt man einfachen Produkten, beispielsweise Bahnfahrkarten, innerdeutschen Flugtickets oder Last-Minute-Reisen gewisse Chancen im Online-Verkauf ein, doch die Skepsis überwiegt. Der Verkauf einer Pauschalreise, sagt etwa Ingo Kraufl, Leiter des Bereichs Neue Medien bei der TUI, sei "nicht leicht automatisierbar" und brauche einen menschlichen Bezug.

Außerdem wollen Veranstalter und Fluggesellschaften es sich nicht mit den Reisebüros verscherzen, ihrem bislang mit Abstand wichtigsten Vertriebskanal. Gebetsmühlenartig betont die Reiseindustrie darum ihre "Treue zum Reisebüro". Ein vordergründiges Bekenntnis. Denn weil der Verkauf über Online-Medien billiger als über Agenturen sein kann, wird über kurz oder lang kaum eine Fluggesellschaft oder ein Reiseveranstalter auf diesen Vertriebskanal verzichten.

Hinter den Kulissen sind deshalb die Strippen für den Urlaubsverkauf über das Netz längst gelegt. Mancherorts braucht es nur noch den besagten Druck auf den roten Knopf.

Bei der Deutschen Lufthansa ist er längst erfolgt: Die Fluggesellschaft hat sich als einziges Großunternehmen der Reisebranche nach langem internen Widerstreit von traditionellen Zwängen befreit. Jeden Monat verkauft die LH nach eigenen Angaben mehr als 2000 Tickets über ihre CD-ROM und das Internet-Produkt Infoflyway.

Was das Internet leisten kann, bewies die LH unlängst mit einer Ticketauktion. Zwar war die Technik zunächst überfordert, unterm Strich aber war die erste Live-Auktion im WWW aus Sicht der LH ein Erfolg: 10 400 Computerbesitzer hatten sich zur Auktion angemeldet, 66 Restplätze kamen unters Volk. Weitere Ticketauktionen soll es nun nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland geben.