Ab und zu begann im Röhricht ein ungeduldiger Frosch zu quarren", schreibt Eduard von Keyserling in seinem Roman "Abendliche Häuser". Sehr gutes Wort, quarren, wenn man die Kunst der Frösche kennt und schätzt (die der berühmten Arp-Schnitger-Frösche am Deich bei Buxtehude zum Beispiel, wir hier im Norden sind ja verwöhnt); das trifft viel besser als das Quaken, das stumpfe. Nach der Rechtschreibreform übrigens stumph. Das ist auch schön! Das erinnert an Elephanten, obwohl die, zumindest im Plural, mit f geschrieben werden sollen oder sogar schon werden, anders als das berühmte Hotel in Weimar (Göte!). Aber vielleicht einigt man sich so: indische mit ph, afrikanische mit f, leicht zu merken, weil die auch die größeren Ohren haben, und Ohren schreibt man ja jetzt ohne h.

Oder Catherine David; schade, daß die documenta nun schon halb vorbei ist. Eine Gestalt von Balzac. Ich meine, man fragt sich doch immer, wie mögen sie in der Wirklichkeit ausgesehen haben, was mögen die Urbilder dieser Balzac-Frauen gewesen sein: Modeste Mignon, Eugénie Grandet, Laurence de Cinq-Cygne ... Ja, Catherine David - wie soll ich das erklären? Absolut balzac. La femme de cent jours, es wäre eine seiner besten Novellen geworden.

Der Meister! Wie er in den "Kleinbürgern" das Salongeschwätz des Justemilieus auf ein paar Stichworte bringt: "Fortschritt, Dampfkraft, Asphalt, Nationalgarden, Ordnung, demokratisches Element, Geist der Einigkeit, Gesetzmäßigkeit ..." Mit welchen Worten ließe sich das ins politische Spießertum von heute übertragen, aus dem Reich des Königs Birne in das Land des Kanzlers Birne? Modernisierung, Gentechnik, unverkrampft, Standortfaktor, globale Vernetzung, ökologische Komponente, innere Einheit, Kampf der Kulturen, Datenhighway?

Balzac, immer wieder Balzac. Ist mir allerdings ein Rätsel, was der Onkel Vollmann da in seinem vielgepriesenen "Roman-Verführer" über den "Vetter Pons" schreibt: "Er stirbt, verkannt inmitten seiner Kunst; nach seinem Tode wird ruchbar, wie wertvoll seine Sammlung ist, nun stürzen sich alle darauf, die den Sammler verachtet hatten." Falls wir dasselbe Buch gelesen haben, dann besteht doch der Witz, der allerdings sehr düstere Witz, desselben darin, daß Vetter Pons mitnichten schon gestorben ist, sondern lange und qualvoll stirbt, während die Lemuren seiner Umgebung versuchen, sich an seine Schätze heranzurobben. Und die makabre Spannung dieses Meisterwerks liegt genau darin, nämlich ob es dem Sterbenden noch gelingen wird, sein Kunstkabinett vor der Gier seiner Mit- resp. Nachwelt zu retten und es seinem einzig treuen, seinem Herzensfreund Schmucke zukommen zu lassen. Woran der vitale Balzac ja immer seine morbide Freude gehabt hat - "Eugénie Grandet", "Gobseck" etc. -, an solchen Todeskämpfen, solchen Totentänzen um das Geld und das Nichts.

Andererseits kann einem so etwas natürlich leicht einmal durchgehen, wenn man Balzac den Ganzen (noch einmal) gelesen hat, wie Onkel Vollmann, nach eigenem fußnotariell vermerktem Bekunden: "Ich selber, auf Rügen, wohin ich mich einmal zurückgezogen hatte, in eins dieser alten Zimmer mit Ausblick aufs Meer aus einer dieser halb ummauerten halb verglasten Veranden, wie sie sie damals liebten, habe, wenn ich dann zurück war von den langen Strandgängen, gefunden, daß, wenn man alles von Balzac hintereinander lesen will (und das will jeder einmal), die Reihenfolge, ungefähr wenigstens, in welcher Balzac seine Sachen geschrieben hat, die schönste ist, zumal man sie am bequemsten mit dem Leben Balzacs verknüpfen kann - denn es bleibt nicht aus, daß man auch das will."

Also, dann lieber Usedom.