Washington

Ein häßlicher Streit entzweit die Cousins des Kennedy-Clans, und er wird vor einem stets klatschbegierigen Publikum offen ausgetragen. Sie seien poster boys for bad behavior, Ikonen des schlechten Benehmens, beschimpft John F.

Kennedy Junior seine Cousins Joseph P. und Michael Kennedy. John ist der Sohn des 1963 in Dallas ermordeten Präsidenten und Besitzer der Zeitschrift George. Für die Septemberausgabe hat er die Vettern-Rüge verfaßt - aber jetzt schon mal vorab veröffentlicht. Schlechtes Benehmen? Zur Steigerung des Werbeeffekts für sich und sein Lifestyle-Blatt mit politischen Ambitionen ließ sich John offenbar auch noch nackt ablichten. Der Anstand bleibt natürlich gewahrt, denn John, der berühmte Sprößling, zeigt im George nur Gesicht, Brust, Arme und Beine.

Joseph und Michael sind die Söhne des 1968 ermordeten Justizministers Robert F. Kennedy. Joseph hackte zurück: "Frage nicht, was du für deine Cousins tun kannst, frage, was du für deine Zeitschrift tun kannst." So wandelte er den großen Satz seines Onkels, des Präsidenten, ab. "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst", hatte JFK in seiner Antrittsrede gerufen. Die Nation war damals tief bewegt. Höchste Ziele wurden gesteckt, darunter die Landung auf dem Mond. Lang, lang ist es her.

Mittlerweile sind die amerikanischen Royals hauptsächlich gut für Klatsch und Tratsch, aber ohne politische Durchschlagskraft. Jetzt spielen sie Sommertheater, eine mittelmäßige Farce vor großem Publikum. Unlängst bilanzierte Newsweek in einer Titelgeschichte den "Niedergang einer Dynastie".

Am Beginn der teils mitleidigen, teils wollüstigen Abhandlungen in den Medien standen ein Buch und eine Affäre. Joseph, der zweitälteste von Robert und Ethel Kennedys elf Sprößlingen, wollte seine längst geschiedene Ehe auch noch von der katholischen Kirche annullieren lassen. Seine erste Frau, Sheila Rauch, hatte seinerzeit in die Scheidung eingewilligt. Und, untypisch für die Kennedys der dritten Generation, es wurde keine schmutzige Wäsche gewaschen.

Doch das von Joseph begehrte Annullierungsverfahren trieb Sheila Rauch auf die Palme. Sollten nun gar die Zwillinge aus dieser Ehe im theologischen Sinne nicht mehr existieren? Sie schrieb ein Buch mit dem Titel "Shattered Faith" (Erschütterter Glaube), in dem sie mit den Emissären des Heiligen Stuhls abrechnet und ihren Exmann als einen Karrieristen beschreibt, der rücksichtslos seine Interessen durchsetzt. Die Annullierung habe dieser wohl weniger seines Glaubens als seiner politischen Ziele wegen betrieben.