Norwegian Cruise Line (NCL) kauft das Clubschiff "Aida". Das Schiff soll allerdings weiterhin in Deutschland von Arkona Reisen vermarktet werden.

Das am 6. Juni 1996 auf den Namen CS Aida getaufte erste deutsche Clubschiff machte zuletzt nicht mehr nur durch sein ungewöhnliches Konzept von sich reden. Mal sollte es verkauft werden, dann wieder nicht, schließlich doch: Am 12. August gab die skandinavische Reederei Norwegian Cruise Line bekannt, sie habe die Aida für 324 Millionen Mark von Arkona Reisen, einer Tochter der Deutschen Seereederei (DSR), gekauft. Der Verkauf stehe derzeit allerdings noch unter einem Finanzierungsvorbehalt.

Im Klartext: Die NCL-Manager müssen jetzt erst einmal sehen, woher sie die Millionen für den Aida-Kauf nehmen. Denn der potientielle (NCL) und der Nochbesitzer (DSR) hatten in jüngster Vergangenheit ein gemeinsames Problem: Ihnen ging es wirtschaftlich nicht gut. Während bei DSR und Arkona Reisen die hohen Investitionskosten für die Aida sowie für aufwendige Hotel- und Clubprojekte drücken, leidet NCL durch das allgemein flaue Kreuzfahrtengeschäft und firmeninterne Umstrukturierungen.

Immerhin gelang es dem NLC-Management in den zurückliegenden anderthalb Jahren, durch Neuordnung seiner Geschäftsfelder aufgelaufene Schulden in Höhe von 900 Millionen US-Dollar auf nur noch 400 Millionen zu senken. Auch der Eintritt der finnischen Kværner-Werft, auf der etwa die Aida gebaut wurde, als neuer Anteilseigner bei NCL sorgte für neues Vertrauen. Deswegen wird erwartet, daß NCL die Finanzierung über die Bühne bringen dürfte.

Mit dem Verkauf wäre das Clubschiff aber nicht aus dem deutschen Markt verschwunden. Die skandinavische NCL, die selbst neun Luxuskreuzer, darunter das Flaggschiff Norway, betreibt, hat vertraglich zugesichert, daß die Aida von der geplanten Übernahme im Oktober an für mindestens ein Jahr an die DSR verchartert wird. Bis Ende 1998 bleibe also zumindest alles beim alten, versichert Arkona-Geschäftsführer Richard Vogel. Für die Zeit danach werde mit NCL noch verhandelt. Ziel sei es, so Vogel, "daß NCL und Arkona Reisen demnächst die Aida in Europa gemeinsam vermarkten".

Am Erfolg des Schiffes, das herkömmliche Kreuzfahrttradition mit lockerem Cluburlaub vermischt, besteht für Arkona-Manager Vogel ohnehin kein Zweifel.

Seit der Jungfernfahrt Anfang Juli 1996 bis Anfang Juni 1997 wurden 39 200 Kreuzfahrtwochen auf der Aida gebucht. Für die Sommersaison, während der das Schiff von Palma de Mallorca aus im Mittelmeer kreuzt, wurden rund 21 000 Wochentrips verkauft. Der vor zwei Wochen gestartete Winterverkauf - die Aida kreuzt dann wieder in der Karibik - brachte bereits 8200 Buchungen. "Das Schiff macht operativen Gewinn", versichert Vogel.