ZEIT: Herr Bühner, erst vor wenigen Tagen wurde in Magdeburg ein Ehepaar verurteilt, das gedroht hatte, Maggi-Produkte mit gefährlichen Erregern zu verseuchen, und jetzt macht ein Erpresser Schlagzeilen, der Produkte von Thomy und Nestlé in fünfzehn Städten vergiftet haben will. Ihr Unternehmen berät Firmen weltweit in derartigen Krisensituationen - haben Produkterpressungen in Deutschland gerade Konjunktur?

Bühner: Nein. Wir führen eine eigene Statistik über die Fälle, von denen wir konkrete Kenntnis erlangen, und da sind die Zahlen in den vergangenen drei Jahren weitgehend unverändert geblieben.

ZEIT: Wie viele Fälle registrieren Sie denn pro Jahr?

Bühner: Wir rechnen mit zwei bis drei Fällen pro Woche. Das kommt auch auf die Zählweise an, ob man eine Erpressung, die sich gleich gegen sieben Firmen richtet, als eine rechnet oder getrennt aufführt.

ZEIT: Das wären bis zu 150 Erpressungsversuche im Jahr. Stimmt es, daß hier Deutschland eine unrühmliche Führungsrolle einnimmt?

Bühner: Das wird immer wieder einmal behauptet. In der deutschen Kriminalstatistik gibt es den Begriff Produkterpressung freilich gar nicht, und aufgrund der unterschiedlichen Bewertungen derartiger Delikte in den verschiedenen Ländern kann man keine eindeutige Rangliste aufstellen. Dennoch - Deutschland zählt hierbei sicherlich zur Spitzengruppe.

ZEIT: Angesichts der hohen Zahl wundert es wiederum, daß so wenige Fälle bekanntwerden. Woran liegt das?