Göttingen ist der Wahlkreis von Rita Süssmuth. Dort soll ein "Forum für Wissenschaft und Technik" errichtet werden, das in den ersten Jahren gut 150 Millionen Mark kostet. Mit Ausstellungen, Tagungen, eigener Zeitschrift und 60 Mitarbeitern. Zweck der Gesellschaft, die das Forum aufbauen soll und der Frau Süssmuth vorsteht: "die Förderung der Wissenschaft und des Verständnisses für Wissenschaft und Technik". Das ist gewiß etwas Gutes und förderungswürdig.

Die GmbH sucht Geldgeber. In der Wirtschaft zum Beispiel, die sich ohnehin nach "Akzeptanz für die Technik" sehnt. In der Politik allerdings ist Geldsammeln ein diffizileres Unterfangen. Was, zum Beispiel, wenn man unversehens an einen grünroten Technikkritiker gerät, der politische Inkorrektheiten wittert? Damit muß man heutzutage rechnen und sich entsprechend wappnen. Vielleicht so: Liebe Frau Süssmuth, sagen Sie mal, in Ihrem Parlament da in Bonn, da gibt es doch so einen Ausschuß, und der hat ein Büro für - wie sagt man? - Technikfolgenabschätzung. Tritt ja selten genug hervor. Könnten die nicht ...?

Sie haben jedenfalls. In einem 109seitigen Bericht, politisch allseits kompatibel, mit Persilscheinqualität.

Doch wenn das Konzept, das die Technikfolgenabschätzer zusammengeschrieben haben, Wirklichkeit werden sollte, dann steht jetzt schon fest, wo Göttingen demnächst am ödesten sein wird.

Der Bericht führt die science museums in den USA an - sehr schön, die können nämlich phantastisch sein. Sie glänzen durch originelle Experimente, die der Besucher dort selbst betreiben kann. Besonders Kinder sind begeistert - doch "Halt! Halt!" ruft's aus Bonn, das ist leider "nicht umstandslos verträglich" mit unserem Ziel, das da lautet, "kritische Distanz zu schaffen". Weshalb die Wissenschaft auch "nicht als solche", sondern nur als "Gegenstand unterschiedlicher gesellschaftlicher Bewertungen dargestellt" werden dürfe.

Wie macht man das? Nun, "etwa dadurch, daß an geeigneten Stellen speziell geschultes Personal die Besucher in Diskussionen verwickelt". Andere Partien der Ausstellung sollen dermaßen anspruchsvoll ausfallen, daß, "wer hier nicht mitkommt", eben in der Bibliothek "nachsitzen" muß. Journalisten wird eine besondere "Fortbildung" anempfohlen.

Was unsereins dort wohl lernt? Vermutlich dies: Forschung sei - den "heute dominierenden konstruktivistischen Theorien" zufolge - nichts als die "soziale Konstruktion von Fakten". Offenbar ist den Verfassern entgangen, daß die Schule der Sociology of Scientific Knowledge (SSK), auf die sie sich berufen, ihre Blütezeit hinter sich hat. Munter kolportieren sie, daß in der Wissenschaft "Auswertungsmethoden, Theorien und Forschungsfragen so lange verändert werden, bis die experimentell erzeugten Daten Sinn machen".