Der Österreicher attestiert seinen Kunden eine steigende Risikobereitschaft, die ihn auch persönlich betrifft: "Früher war ein Bergführer in den Alpen Standard, heute gehen die meisten Leute auf eigene Faust los." Die einschlägige Fachliteratur mit detaillierten Wegbeschreibungen suggeriert ehrgeizigen Amateuren, daß sie auch im Do-ityourself-Verfahren ganz hoch hinauskommen. Ein gefährlicher Trugschluß, wie Fürstaller glaubt: "Wer 45 Wochen im Jahr bei Kunstlicht arbeitet, kann für das Wetter einfach kein Gespür haben."

Führungen an seinem Hausberg, dem Wilden Kaisers, bringen dem Familienvater Fürstaller finanziell schon lange nicht mehr genug ein. In den Sommerwochen arbeitet er als Handlungsreisender. Erfahrene Bergführer sind nur noch an den Viertausendern in den Westalpen und ein paar Modebergen wie dem Großglockner oder dem Großvenediger gefragt, die in der Gipfelsammlung standesbewußter Alpinisten nicht fehlen dürfen.

Die Unglücksserie und die zunehmende Unvernunft in den Bergen haben jetzt wieder Stimmen laut werden lassen, die die unbegrenzte Freiheit im größten Freizeitpark der Welt begrenzen wollen. Eine österreichische Zeitung verlangte in der vergangenen Woche die Einführung eines "Führerscheins" für Bergsteiger. Und Alpin-Star Reinhold Messner fühlt sich wie einer, der die Geister nicht mehr los wird, die er selbst gerufen hat. Der Südtiroler würde jetzt am liebsten die Notbremse ziehen.

Doch daß es in den Alpen im Ernst einen Numerus clausus für Klettermaxen geben wird, ist kaum anzunehmen. Die krisengeplagte Tourismusbranche in den Alpen braucht nicht nur jeden zahlenden Gast, sondern hat gerade abenteuerlustige Bergsportler als lohnende Zielgruppe wiederentdeckt.

Andererseits tun gerade die Talorte kaum etwas, um Anfänger und Spontanwanderer auf die Gefahren und auf die aktuellen Wetter- und Wegverhältnisse hinzuweisen. "Die intensive Aufklärung fehlt", klagt Hans Sonderer von der Bergwacht.

Während an der See bei Sturm oder Strömungen Badeverbote verhängt werden, bleiben die Alpen jederzeit für jedermann geöffnet. Und der Deutsche Alpenverein macht sich dafür stark, das "freie Betretungsrecht" beizubehalten. Geschäftsführer Hartinger sieht in den Alpen "einen Gesundbrunnen". Statt bestimmte Personengruppen von riskantem Terrain auszusperren, appelliert er lieber an die "Selbstverantwortung".

Doch damit ist Hartinger ein einsamer Rufer auf dem Berg, dessen Echo schnell verhallt. Gefahr, Nervenkitzel und der spätere Lohn für die Angst machen ja gerade die Faszination vieler Outdoor-Disziplinen aus. Ein erfahrener Bergsteiger wie Georg Strieder findet am Fels jene "Freiheit, die es in der reglementierten Welt nicht mehr gibt." Und dann fügt er grinsend hinzu: "No risk, no fun."