Gefürchteter Neuling

Die englische Charterfluggesellschaft Britannia Airways, der weltgrößte Ferienflieger, sorgt in Deutschland erneut für Streit.

Zwei Wochen Dominikanische Republik für 1298 Mark mit Flug und All-Inclusive-Hotel, so lautet das Lockangebot des Münchner Reiseanbieters CA Ferntouristik für die kommende Wintersaison. Bereits im letzten Jahr warb der Hamburger Veranstalter Paul Günther Tours mit zwei Wochen Karibik für nur 999 Mark.

In beiden Fällen sorgt die Fluggesellschaft dafür, daß die Touristen zu Billigstpreisen befördert werden können: Britannia Airways aus London, mit 7,5 Millionen Passagieren im letzten Jahr der weltgrößte Ferienflieger.

Doch dem Eindringen der britischen Konkurrenz in den deutschen Markt wollen LTU, Condor und andere Veranstalter nicht tatenlos zusehen, weil die Engländer die hiesigen Flugpreise um bis zu fünfzig Prozent unterbieten. Das erreichen sie vor allem durch mehr Flüge (in England gibt es kaum Nachtflugbeschränkungen), ihre im Vergleich zu Deutschland bis zu sechzig Prozent geringeren Personalkosten sowie weniger Komfort an Bord.

Schon im vergangenen Herbst wurden Britannia die geplanten Flüge von Deutschland aus in die Karibik vom Bundesverkehrsministerium verboten. Die Begründung lautete, eine englische Gesellschaft dürfe zwar innerhalb der EU überallhin fliegen, nicht aber ohne Sondergenehmigung von Deutschland aus direkt in ein Drittland.

Danach mußten Paul-Günther-Kunden zunächst nach Manchester reisen, um dort zum Weiterflug in die Sonne umzusteigen. Das umständliche Verfahren erwies sich als Flop und wurde bald eingestellt.

CA Ferntouristik, eine Tochter der Frosch Touristik International, wollte es jetzt mit der Gründung einer deutschen Tochtergesellschaft geschickter anstellen. Die Britannia Airways GmbH soll mit 200 deutschen Mitarbeitern in Berlin-Schönefeld angesiedelt werden und als deutsche Gesellschaft nonstop in die Karibik starten. 35 000 Plätze hat der Münchner Veranstalter exklusiv bei der Neugründung eingekauft und warb seit Wochen in seinen Katalogen mit "Deutschlands neuer Fluggesellschaft".

Gefürchteter Neuling

Doch die Sache hatte einen Schönheitsfehler: Die Betriebsgenehmigung durch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) ist noch nicht erteilt, und es gilt als zweifelhaft, ob dies bis zum angepeilten Stichtag, dem 1. November, der Fall sein wird. "Unlauterer Wettbewerb", empörte sich die LTU-Touristik und zog vor das Hamburger Landgericht, das den Münchnern per einstweiliger Verfügung die Werbung mit Britannia als deutscher Gesellschaft verbot.

In der vergangenen Woche traf man sich erneut vor dem Hamburger Richter, um den Widerspruch von CA Ferntouristik gegen das Werbeverbot zu verhandeln. Die Entscheidung über das Werbeverbot wird für diese Woche erwartet. Doch weiterhin ungeklärt bleibt die grundsätzliche Frage, ob eine EU-Gesellschaft oder eine an sie gebundene deutsche Tochter von der Bundesrepublik direkt in Drittländer fliegen darf. Dies, so meinen Juristen, werde künftig vor dem Europäischen Gerichtshof entschieden werden müssen.

Unterdessen können Kunden weiter bei CA die Billigangebote buchen, die notfalls mit der englischen Muttergesellschaft und mit Umsteigen in Manchester durchgeführt werden sollen. Trotz des Rechtsstreits sei die Buchungslage "bisher extrem gut", weiß CA-Sprecherin Angela Winter zu berichten.