Ob wohl diese höchst merkwürdige, nein, absurde Geschichte und deren Hintergrund je aufgeklärt werden wird, oder ob es ein Geheimnis bleibt, warum jemand um Ehre, Posten und Ruf gebracht wird?Daß es sich dabei um eine Angelegenheit unter Diplomaten handelt, von denen im allgemeinen angenommen wird, sie seien besonders ehrbewußt und zuverlässig, macht die Sache noch verwunderlicher. Nun also die Geschichte: Marek Rzeszotarski war vier Jahre, von 1991 bis 1995, in Hamburg polnischer Generalkonsul, anschließend als Personalchef im Außenministerium in Warschau.Als der Außenminister wechselte, wurde ihm angetragen, Generalkonsul in München zu werden - ein plausibles Angebot, da er sich während drei Jahrzehnten immer um das deutsch-polnische Verhältnis bemüht hat und auch Mitglied der Schulbuch-Kommission war. Am 14.April reiste er mit einem von Bonn ausgestellten Diplomatenvisum nach München und übernahm dort am 5.Mai sein neues Amt.Er machte die üblichen Antrittsbesuche, zunächst beim Protokollchef der Staatskanzlei, wo ihm auf seine Frage geantwortet wurde, er solle nur schon anfangen und nicht auf das Exequatur warten, denn das dauere oft sehr lang. Der neue Generalkonsul amtierte also von Anfang Mai bis zum 22.Juli, dem Datum, an dem seine Regierung ihn urplötzlich abberufen hat - Begründung: die Deutschen verweigerten das Exequatur. Rückfragen führten zu keiner Erkenntnis: Der polnische Botschafter wußte von nichts der frühere, in Deutschland hochgeschätzte Außenminister Bartoszewski, dessen Protegé Marek ist, fiel aus allen Wolken, und im Bonner Außenministerium, wo ich in den zuständigen Abteilungen nachfragte, gab es auch keine Erklärung. Es wurde nur gesagt, eine Begründung der Verweigerung eines Exequaturs würde grundsätzlich nie gegeben: eine Gepflogenheit, die man gut verstehen kann, sofern es sich um einen normalen Vorgang handelt.Wenn aber auf den Antrag Warschaus in Bonn keine Einwände erhoben werden, der Betreffende zu seinem neuen Posten entsandt wird, dort sogar schon amtiert und dann das Exequatur verweigert wird, dann wirkt das praktisch so, als sei der Betreffende zur Persona non grata erklärt worden. Soviel man auch sinnieren mag, die ganze Sache macht keinen Sinn: Wenn die Deutschen etwas gegen ihn hätten, so würde sich das während der vier Jahre in Hamburg, wo er außerordentlich beliebt war, herausgestellt haben.Also vielleicht ein Mißverständnis?Nein, dies hätte sich in den vergangenen Wochen unschwer aufklären lassen bleibt also nur die Vermutung, daß Rzeszotarski Opfer einer Intrige der alten Kader im heimischen Polen geworden ist.