Globalisierung ist ein hartes Spiel. Vor Jahresfrist noch waren die südostasiatischen Ökonomien die Lieblinge des Kapitals. Auf den einschlägigen Tabellen der besten Investitionsstandorte rangierten sie allesamt weit vorne.

Auch in Europa galten sie als das Maß dynamischen Wirtschaftens.

Heute wissen die Regierungschefs in Thailand und Malaysia, in Indonesien und auf den Philippinen kaum noch, wie ihnen geschieht. In Windeseile haben Spekulanten und Anleger die Kurse ihrer Währungen und an den Aktienbörsen abstürzen lassen. Bankenpleiten drohen ebenso wie Bankrottserien auf den Immobilienmärkten. Industrieunternehmen planen Entlassungen, um steigende Kreditzinsen und Importpreise bezahlen zu können.

Das Lamento gegen die Launen der Spekulanten und wüste Beschimpfungen gegen deren angeblich beteiligten Großmeister George Soros helfen den Tigern nicht.

Denn sie werden der eigenen Lage nicht gerecht. Zwar übertreiben die Märkte in ihrer üblichen Kettenreaktion wieder einmal gehörig, weil viele Investoren nun erst aufmerksam und dann nervös werden. Außerdem wittern die internationalen Zocker Geschäfte und rennen daher selbst gegen Hartwährungen wie den Hongkong-Dollar an. Die Baissespekulanten haben aber nur deshalb soviel Erfolg, weil die Südostasiaten an realwirtschaftliche Grenzen gelangt sind, die sie nur langsam und mühsam überwinden können.

So schwelt die Krise in Thailand schon seit längerem - und zeigt ein Muster, dem andere Länder der Region folgen. Ein überhitzter Immobilienmarkt verleitete die Banken zu überhöhten Krediten, die sie nun zu erheblichen Teilen abschreiben müssen. Schon 1996 mußte das Land einen schnell wachsenden Einfuhrüberschuß mit immer mehr ausländischem Kapital finanzieren. Als die Regierung dann auch noch verzagt auf die drohende Devisenkrise reagierte, war es um die Landeswährung Baht geschehen: Einmal freigegeben, gab sie Anfang Juli gleich um zwanzig Prozent nach.

Schließlich blieb den stolzen Politikern nur, den Internationalen Währungsfonds um Hilfe zu bitten und auf seine harten Bedingungen einzugehen: Nun müssen die Thailänder ihre Inflation, das Staatsdefizit und die Importe zurückfahren - auf Kosten des Wachstums.