Der Bauer sah sein Gut, das sich im luxemburgischen Dorfe Vichten befindet, schon in ein zweites Pompeji verwandelt und von Touristen niedergetrampelt. Deshalb verschwieg er jahrelang, daß sich neben seinem Stall ein altes Römermosaik verbarg. Aber das Großherzogtum ist klein, jeder kennt jeden, und selbst bestgehütete Geheimnisse werden irgendwann am Tresen ausgeplaudert. Anfang 1995 verpetzte ein anonymer Anrufer den Landwirt beim Nationalmuseum. Die Archäologen rückten an und legten ein 1700 Jahre altes farbiges Musenmosaik frei, das zu den bedeutendsten Kunstwerken dieser Art zählt. Der spektakuläre Fund wurde zum Nationalgut erklärt und abgetragen, um nach der Restaurierung im Museum ausgestellt zu werden. Bauer und Staat streiten seitdem vor dem Kadi. Umgerechnet 2,5 Millionen Mark fordert der Landwirt für den Fund, wogegen der Staat nur 0,8 Millionen herausrücken will.

Die Story, als "Rangelei um ein römisches Fußbodenmosaik" betitelt, steht im neuen Luxemburg-Band von Reinhard Tiburzy in der Reihe DuMont-Reise-Taschenbücher (DuMont, Köln 1997 240 Seiten, 19,80 Mark).

Anekdötchen, Kuriositäten und Possen sind das erfrischendste an den vom Autor beschriebenen Ausflügen "zu Burgen, Schlössern und Wassermühlen, durch rauhe Ardennenlandschaft, in die Kleine Luxemburger Schweiz, entlang der Weinstraße und ins Revier".

Wer weiß schon, daß der Hauptmann von Köpenick seinen Lebensabend in Luxemburg-Stadt verbrachte und auf dem Friedhof Notre-Dame begraben liegt?

Oder wer hätte geahnt, daß ein Luxemburger Athlet namens John Grün um die Jahrhundertwende als stärkster Mann der Welt galt? Nicht minder kurios hören sich die Startjahre des 1933 gegründeten Rundfunksenders RTL an, als vom Dachboden aus gesendet wurde und die Moderatoren ihre eigenen Platten mitbringen mußten.

Der Sehenswürdigkeiten-Teil dieses höchst aktuellen Reiseführers, nach den verschiedenen landschaftlichen Regionen gegliedert, wurde sorgfältig recherchiert - keine mittelalterliche Burg und keine sehenswerte Kapelle, die nicht aufgeführt werden. Schade nur, daß der Autor es versäumt hat, neben den französischen und deutschen Bezeichnungen die häufig gänzlich anders klingenden "lëtzebuergeschen" Namen der Ortschaften hinzuzufügen. Zumindest im Ortsregister wäre ausreichend Platz gewesen.