Die hundert wichtigsten Funde der Archäologie - im ersten Moment ist man geneigt, das großformatige, recht nobel aufgemachte Buch des Knesebeck-Verlages (Faszination Archäologie, 58 Mark) mit dem Stoßseufzer "Kenn' ich vermutlich alles schon" wieder aus der Hand zu legen. Blättert man aber erst einmal durch die sich über zwei bis vier Seiten erstreckenden Geschichten mit den beeindruckenden Bildern, bleibt man rasch hängen. Denn neben den Knüllern von Tutenchamun und Ötzi, den Maya und Lucy, der frühmenschlichen Australopithecus-Frau, stellt der englische Archäologe Paul Bahn eine ganze Reihe von Funden vor, die nicht gerade zum Allgemeinwissen gehören. Zum Beispiel aus Großsimbabwe im südlichen Afrika. Wer kennt schon die riesigen Steinbauten aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die das afrikanische Volk der Schona als Hauptstadt seines Reiches errichtete? Reich geworden im Elfenbein- und Goldhandel mit den islamischen Staaten an der afrikanischen Ostküste, ließen die Schona-Könige um das Jahr 1270 das politische und religiöse Zentrum bauen. Rücksichtslos plünderten sie dabei die Natur, bis die ausgelaugten Böden der Umgebung nichts mehr hergaben und die Schona zum Weiterziehen zwangen. Wenn das nicht an düstere Kapitel europäischer Frühgeschichte, zum Beispiel in Griechenland, erinnert!

Aber auch im gut durchforschten Mitteleuropa bietet Paul Bahn dem Laien noch überraschende Neuigkeiten, die neben den Neandertalern, den Höhlenmalereien der Altsteinzeit und den Megalithkulturen in der Bretagne, Großbritannien und England leicht bestehen können. Wer kennt zum Beispiel die vierzig Meter langen und acht Meter breiten Langhäuser aus Holz, die vor 7000 Jahren unter anderem in der Gegend von Köln standen? Und wer hat schon einmal die Stollen der Feuersteinminen in England und Polen besichtigt, in denen die Bergleute vor 4000 Jahren den als Werkstoff begehrten Feuerstein mit Hirschgeweihen tief aus dem Erdinnern kratzten? Es lohnt sich also durchaus, in "Faszination Archäologie" zu schmökern.