Zerbricht die Republika Srpska - jene verelendete Serbenrepublik, die neben der Muslimisch-Kroatischen Föderation einer der beiden tragenden Balken des in Dayton für Bosnien gezimmerten Staatsgerüsts ist?

Der Westen hat auf eine solche Spaltung hingearbeitet, seit die Briten noch zu IFor-Zeiten ihr Hauptquartier von Gornji Vakuf nach Banja Luka legten. In dieser einst industriereichen Universitätsstadt residiert nicht von ungefähr Biljana Plavsic, die Präsidentin des bosnischen Serbenstaates, die sich von einer Mitstreiterin des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic zu dessen erbitterter Rivalin gemausert hat. Unter dem Schutz der SFor-Truppen versucht sie, dem Mafia-Patron von Pale Stück um Stück seiner Macht zu entreißen. Erst setzte sie den Innenminister ab. Dann löste sie das Parlament auf (es soll im Oktober unter OSZE-Aufsicht neu gewählt werden). Schließlich brachte sie in Banja Luka auch die Polizei auf ihre Seite, entwand Pale die Kontrolle über das Fernsehen in ihrem Landesteil, und warb um die Loyalität der schwachen, aber einflußreichen Armee.

In seinem Bergdorf Pale wehrt sich Karadzic mit Kräften. Er hat Verfassungsrichter durch Prügel dazu bewegen lassen, den Beschluß zur Parlamentsauflösung zu verwerfen. Mit den Einkünften aus Gangstergeschäften - Benzin- und Zigarettenschmuggel vor allem - kann er sich immer noch die Loyalität der meisten Polizeiangehörigen erkaufen. Der größte Teil der Armee bleibt ihm treu. Karadzic fühlt sich noch immer stark. Selbst vor Drohungen gegen die internationale Stabilisierungs-Truppe schreckt er nicht zurück.

Der Westen tut gut daran, Biljana Plavsic nicht in den Himmel zu heben.

Während des Konflikts war sie eine widerwärtige serbische Chauvinistin, die Kriegsverbrecher fernsehwirksam in die Arme schloß. Nur zweierlei spricht für sie: daß sie jetzt, um den bosnischen Serben aus ihrem Elend herauszuhelfen, zur Zusammenarbeit mit den auswärtigen Mächten und den internationalen Institutionen bereit ist - und daß der Westen mit ihrer Hilfe vielleicht den verhaßten Karadzic los wird.

Dabei läuft die Staatengemeinschaft ein kalkuliertes Risiko. Die Rechnung könnte aufgehen - aber es könnte auch schiefgehen. Zum ersten könnte der Patron von Pale die Wahlen doch überall in der Republika Srpska gewinnen. Zum zweiten könnte sich der Serbenstaat spalten, wenn Karadzic im Südosten, Plavsic im Nordwesten gewönne. Zum dritten könnte der Bazillus des Zerfalls dann auch die brüchige Muslimisch-Kroatische Föderation ergreifen. Oder aber, viertens: Wenn sich die Republika Srpska spalten sollte, mögen Kroaten und Muslime in Versuchung geraten, sich aus der Erbmasse der Republika Srpska zu bedienen.

Der Einsatz im bosnischen Roulette ist hoch. Das Spiel ist gemacht, aber noch rollt die Kugel.