Eine schwache Regierung läßt sich leicht kritisieren. Das stimmt. Aber ist auch die Ableitung korrekt, daß es sich um so leichter kritisiert, je schwächer die Regierung wird?

Oskar Lafontaine, Chef der Sozialdemokraten, meldete sich am Montag aus der Sommerpause zurück: "Der SPD geht es gut", frohlockte er vor der Bundespressekonferenz. Und wandte sich sogleich den jüngsten Wirrungen der konservativ-liberalen Koalition zu: "Wenn der Finanzminister dreizehn Monate vor der Bundestagswahl sein Amt aufgeben will, dann ist das ein Eingeständnis einer gescheiterten Wirtschafts- und Finanzpolitik."

Von da an stiegen die längst bekannten Sprechblasen auf: Kohl als Ursache für die größte Arbeitslosigkeit, historische Staatsverschuldung, gigantische Steuerbelastung, politische Selbstblockade, abgewirtschaftet, personell verbraucht, ein Neuanfang muß her.

Alles das wird durch Wiederholung nicht falscher - nur: Was will denn die Opposition eigentlich noch sagen, wenn demnächst der erste Minister zurücktritt oder eine offene Diskussion über Helmut Kohls Kandidatur losbricht?

Wo "Lüge", "Verrat" oder "Betrug" zum Standardvokabular gehören, sind rhetorische Steigerungen nur mit Phantasie oder schlechtem Geschmack vorstellbar. Wie läßt sich der ständige Ruf nach Neuwahlen übertrumpfen? Mit Boykottaufrufen? Durch Mobilisierung zum Generalstreik?

Auch parlamentarisch scheint alles ausgereizt: die Regierung in Sondersitzungen vorführen? Schon dagewesen. Einen Minister per Bundestagsabstimmung zum Rücktritt zwingen? Bereits im Frühjahr gescheitert.

Die Mittel der Opposition sind erschöpft, bevor sie wirken können, und das wiederum erschöpft die Öffentlichkeit.