Naheliegendes muß nicht immer auch richtig sein. So besitzen Frösche zwar Ohren, aber diese dienen vor allem der Erzeugung von Schall. "Die Trommelfelle arbeiten wie Lautsprechermembranen", verkündete kürzlich Peter Narins von der University of California (Los Angeles) auf einer Versammlung der Amerikanischen Gesellschaft für Verhaltensforschung in der Stadt College Park (Maryland). Die Entdeckung hatte Narins' Mitarbeiter Alejandro Purgue an einem Ochsenfrosch gemacht. Der Zoologe setzte Fröschen Miniaturlautsprecher ins Maul, um genauer zu untersuchen, wie der aufblasbare Kehlsack das Quaken der Tiere verstärkt. Dabei kam heraus: Was Biologen jahrzehntelang für eine Schallblase gehalten hatten, ist lediglich eine Luftblase der Kehlsack dient hauptsächlich als Luftkammer. Die Verstärkung des in der Kehle erzeugten Quakens übernehmen zu achtzig Prozent die Trommelfelle. Der Ochsenfrosch sei keine Ausnahme unter den Amphibien, sagt Narins. Der Zoologe hatte sich über Höcker auf den Trommelfellen afrikanischer Frösche gewundert, für die es noch keine Erklärung gab. Die Höcker erscheinen zur Paarungszeit bei männlichen Fröschen. Nach Purgues Entdeckung liegt die Erklärung nun nahe: Offensichtlich stimmen die Höcker das Schwingungsverhalten der Trommelfelle genau auf die Paarungsrufe der Männchen ab.

Wer mit den Trommelfellen schreit, muß mit den Lungen hören, wie Zoologen der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit Peter Narins herausfanden. Dabei benutzen Frösche ihre Körperflanken zur Aufnahme des Schalls, leiten ihn zur Verstärkung in die Lunge und dann über die Luftröhre in den Kopf zum Innenohr.