Bonn

Vielleicht war ja alles nur eine Fata Morgana. Höchste Zeit jedenfalls, daß Helmut Kohl aus dem Urlaub kam und klarstellte, der Sommer sei nun vorüber.

Die Botschaft war spektakulär, wohl weil sie so unspektakulär ausfiel: Alles bleibt, wie es ist. Tags darauf war der Himmel bedeckt. In Bonn fallen die Temperaturen.

"Es wird keine Kabinettsumbildung geben", verkündet der Kanzler. Die Gerüchte und Spekulationen, die Kabinettslisten, die Hitparade der Auf- und Absteiger - mit einem Wort wischt er "das Gerede" der vergangenen Wochen vom Tisch. So ist das, wenn Helmut Kohl wieder regiert. Zumindest soll es so aussehen. Kohl demonstriert Entschiedenheit, zeigt seine "mächtige" Verärgerung, lobt die Arbeit der beschädigten Minister, sucht nach Gesten von Souveränität. Um die vor allem geht es.

Früher waren die Sommer, vom Wolfgangsee aus betrachtet, ruhiger. Allenfalls Leute aus den hinteren Reihen nutzten die Gelegenheit für kleinere, meist harmlose Auftritte. Diesmal aber waren es der Finanzminister und enge Verbündete, die den Kanzler herausforderten: Schon jetzt solle Kohl die "Kameraden" benennen, mit denen er nach den nächsten Wahlen regieren wolle.

Da endet für Kohl die Kameradschaft.

Kaum einer aus der Union hält Waigels Verlangen für abwegig. So laut hat die Koalition über die Blockade der SPD geklagt, daß die Botschaft von der Ohnmacht der Regierung alle erreicht hat. Eine Kabinettsumbildung hätte diesen Eindruck ein wenig korrigiert.