FLORENZ/FRANKFURT. - Der graumelierte Signore im eleganten Einreiher wartet bereits eine geschlagene halbe Stunde am Schalter der Banca di Roma, um zwei Schecks einzureichen. Doch jetzt streikt der Computer. Die Angestellte erklärt lakonisch, er müsse sich bis morgen gedulden. "Wartet nur, wenn der Euro kommt. Dann geht es euch an den Kragen", ruft ihr der erboste Kunde entgegen. Der ältere Herr hat die Contenance verloren, eine Szene, wie sie sich häufig in den Banken zwischen Como und Catania abspielt.

In puncto Zustimmung zur Europäischen Union und zu deren gemeinsamer Währung lassen sich die Italiener von kaum einem anderen Volk in der Gemeinschaft übertreffen. Und das nicht etwa, weil sie glaubten, Europa werde die Zeche für Jahrzehnte der Mißwirtschaft bezahlen, wie manch deutscher Landesfürst seinen Wählern zu suggerieren versucht. Die Italiener erhoffen sich von Europa vor allem eine Modernisierung ihrer Institutionen - der Banken in erster Linie und der öffentlichen Verwaltung. Es ist also nicht nur die Angst vor dem Abstieg in die europäische zweite Liga, die sie jedes Wort von Theo Waigel und Hans Tietmeyer auf die Goldwaage legen läßt.

Die deutsche Debatte um den Euro und die Konvergenzkriterien des Maastricht-Vertrages verfolgen viele Italiener seit Monaten mit großem Interesse. Doch sie verstehen die Diskussion nicht mehr. Da hilft es nur wenig, daß selbst in Deutschland kaum einer mehr die diversen Euro-Szenarien nachvollziehen kann.

Jedes Land in der Europäischen Union - mit Ausnahme von Luxemburg - zeigt Schwächen bei der Einhaltung der Konvergenzkriterien. Belgien wird seine Staatsschuld auch in zehn Jahren nicht von gegenwärtig knapp 130 Prozent auf die Marke von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt haben können (ebensowenig wie Italien), und die Franzosen wissen längst, daß ihr Haushaltsdefizit für 1997 eher bei 3,5 als bei 3,0 Prozent liegen wird. Doch Frankreich deshalb von der Teilnahme am Euro auszuschließen fällt bestenfalls Stammtischpolitikern aus dem Voralpenland ein. Und Belgien steht nicht einmal bei den Hubers zur Disposition.

Aber Italien: Am Bel Paese scheiden sich hierzulande noch immer die Geister.

Es scheint fast, als hätten einige deutsche Provinzpolitiker seit Ende der achtziger Jahre keine Zeitung mehr gelesen und die Veränderungen jenseits der Alpen schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Sie wollen nicht lernen, daß sich die bereits zu Zeiten der Habsburger wohlhabenden Regionen Lombardei und Venetien heute ebensowenig vor Hessen, Baden-Württemberg und Bayern verstecken müssen wie Piemont oder die Emilia Romagna. Im Gegenteil: Bei der Arbeitslosigkeit stehen nach der harmonisierten EU-Statistik die Städte Padua (6,0 Prozent), Brescia (5,5) und Bologna (4,9) besser da als Augsburg (7,7), Passau (6,5) und Nürnberg (7,8). Und dieser Vergleich basiert auf der aktuellsten verfügbaren EU-Statistik von April 1996. Seitdem hat sich die Situation in Deutschland deutlich verschlechtert, in Italien dagegen eher verbessert.

Warum also Italien vom Euro ausschließen? Es gibt keinen Grund, denn das Land hat viel erreicht: Seit Juni 1996 ist die Inflationsrate von 3,6 auf heute 1,5 Prozent gesunken, die Lira gewinnt gegenüber der Mark an Stärke, die Zinsen befinden sich auf einem historischen Tiefststand, und die Regierung Prodi mutet den Italienern Lasten (Euro-Steuer) zu, von deren Durchsetzung die Regierenden in Bonn zur Zeit nur träumen können.