In allen Industrienationen steigen die Scheidungsraten, aber nirgendwo so schnell wie in den Vereinigten Staaten. Fast jede zweite Ehe zwischen Boston und Los Angeles wird wieder aufgelöst. Dabei gilt das Prinzip der schuldlosen Scheidung, und zwar seit rund 25 Jahren. Daher kennen die meisten Brautpaare, die heute heiraten, das Verfahren der schuldhaften Scheidung nur noch aus alten Filmen: Da mußte vor Gericht ein passabler Grund für die Trennung präsentiert werden ein Seitensprung des Partners, Vernachlässigung oder seelische Grausamkeit. Was in den damaligen Scheidungsprozessen an schmutziger Wäsche gewaschen wurde, ruft heute nur noch Kopfschütteln und Heiterkeit hervor.

Zunehmend beunruhigt durch die hohe Scheidungsrate der jüngsten Zeit fühlen sich freilich Kirchen, Abtreibungsgegner und die vielen Verbände, die sich dem Schutz der Familie verpflichtet haben. Sie glauben, daß viele Paare sich nur deshalb trennen, weil es ihnen so leicht gemacht werde.

Im Bundesstaat Louisiana soll damit jetzt Schluß sein. Dort wurde, ein erster gesetzlicher Erfolg für die Bewegung der Familienschützer, Mitte August eine womöglich folgenschwere Neuregelung eingeführt. Die zur Trauung Schreitenden haben die Wahl zwischen dem herkömmlichen Ehebund und einer covenant marriage genannten, vertraglich geschützten Verbindung. Getraut werden sie in beiden Fällen auf gleiche Weise, mit Ehegelöbnis und Ringwechsel. Doch falls es eines Tages zur Scheidung kommen sollte, unterscheiden sich die Bedingungen des Verfahrens, und zwar erheblich.

Für die herkömmliche Ehe gilt: Die Scheidung ist nach sechsmonatiger Trennung erlaubt sollte ein Partner Ehebruch begehen, was allerdings nicht nachgewiesen werden muß, kann es auch sofort zur Scheidung kommen - Ehe light.

Anders die geschützte Ehe: Eine Scheidung ist nur dann möglich, wenn das Paar für mindestens zwei Jahre getrennt gelebt hat oder wenn bewiesen wird, daß ein Partner Ehebruch begangen hat, wenn Ehemann oder -frau wegen eines Verbrechens verurteilt wurde oder wenn es innerhalb der Familie zu körperlicher Mißhandlung oder sexuellem Mißbrauch gekommen ist - Ehe ultra.

Die Parlamentarier von Louisiana glauben, mit der geschützten Ehe einen Königsweg gefunden zu haben. In 22 anderen amerikanischen Bundesstaaten war bereits versucht worden, das Scheidungsverfahren zu ändern oder die Regelungen zu verschärfen. Überall vergeblich, nirgendwo reichte es für eine Mehrheit. Die Wahlmöglichkeit, die Louisiana nun bietet, ist dagegen ein mit nur einer Gegenstimme verabschiedeter Kompromiß zwischen den Bewahrern der bisher geltenden Gesetze und den Neuerern, der nun auch für andere Bundesstaaten richtungweisend sein dürfte.

Überraschend wurde die Debatte über Ehe und Scheidung vor zwei Wochen noch weiter angefacht durch ein Gerichtsurteil im ebenfalls südlichen Bundesstaat North Carolina, der wie Louisiana zum tief religiösen Bible belt gezählt wird. Die geschiedene Frau Dorothy Hutelmyer hatte dort die neue Frau Lynne Hutelmyer, ehemals Lynne Cox, wegen "Zerstörung von Liebe und Zuneigung" auf Schadensersatz verklagt. Ein Geschworenengericht gab ihr recht: Frau Hutelmyer I darf nun zur Linderung ihres Trennungsschmerzes eine Summe in Höhe von einer Million Dollar von Frau Hutelmyer II kassieren.