Das sind bittere Tage für alle Gegner der Europäischen Währungsunion: Immer neue Fakten erschüttern ihre Schreckensszenarien, immer mehr Währungsexperten widersprechen den populistischen Parolen eurokritischer Wahlkämpfer. Polemik? Mitnichten, wie ein Blick auf Zahlen und Zitate nahelegt. Seit Monaten trommelt die (nieder-)sächsisch-bayerische Allianz der Landesfürsten Schröder (SPD), Stoiber (CSU) und Biedenkopf (CDU) zusammen mit einem Heer wissenschaftlicher Bedenkenträger gegen die vermeintliche Weichwährung Euro. Zum Beweis verweist diese große DM-Koalition manisch fixiert auf das Defizitkriterium im Maastricht-Vertrag. Nur wenn dieses 1997 punktgenau mit drei Komma null Prozent erfüllt werde, so ihr Credo, sei das Ende der geliebten Mark vorstellbar.

Die Strategie ist durchsichtig: Ein Wert selbst nur wenige Zehntelprozentpunkte oberhalb der magischen Marke wäre ein willkommener Anlaß, das Jahrhundertprojekt zu verschieben oder ganz abzublasen. Mal abgesehen davon, daß im Vertrag nirgends eine Punktlandung verlangt wird und daß niemand eine derart strenge Kriterien-Interpretation ökonomisch begründen kann, beginnt die Sache für die Anti-Euro-Front dumm zu laufen. Entgegen allen Unkenrufen hat die Bundesrepublik gute Chancen, die Vorgaben zu erfüllen.

Nicht, weil der Bundesregierung das EU-Statistikamt zu Hilfe gekommen ist.

(Bonn darf nun auch die Milliardenschulden der Krankenhäuser herausrechnen.)

Nein, Optimismus verbreiten derzeit unverdächtige Fachleute, beispielsweise vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Deren Experten erwarten ein Defizit von 3,1 Prozent, selbst eine Null hinter dem Komma sei möglich.

Inmitten der grotesken Zahlenhuberei macht auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) neuen Mut. Die OECD-Ökonomen beziffern das Loch zwar auf 3,25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - betrachten die Euro-Prüfung dennoch als bestanden.

Ihr einleuchtendes Argument: Die Statistik sei unstreitig mit Unsicherheiten behaftet, so daß geringe Abweichungen vom Klassenziel ebenso unvermeidlich wie bedeutungslos seien.