Zunehmende Pöbeleien von Fluggästen ja sogar Massenschlägereien registriert der Verband der Flugbegleiter und Stewardessen. Häufigster Grund sei übermäßiger Alkoholgenuß an Bord. Die deutschen Fluggesellschaften dagegen halten diese Klagen für überzogen.

Unflätige Beschimpfungen und Rempeleien Passagiere, die volltrunken durch die Gänge torkeln und Mitreisende attackieren Messerstechereien hoch über den Wolken - für die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (UFO) sind solche Szenen längst keine Seltenheit mehr. "Die Zahl der Ausschreitungen ist in den letzten Jahren drastisch angestiegen", konstatiert Otto Ziegelmeier, der Geschäftsführer des Berufsverbandes, der die Interessen von rund 3500 Stewardessen und Flugbegleitern vertritt.

Bei allen großen Gesellschaften, so Ziegelmeier, gebe es inzwischen pro Jahr über hundert Fälle von verbalen Attacken und gewaltsamen Auseinandersetzungen während des Fluges. Die Angriffe richteten sich gleichermaßen gegen das Flugpersonal wie gegen die übrigen Reisenden. "Das geht so weit, daß Fluggäste ihre Notdurft im Gang verrichten." Auch von einer Massenschlägerei, die das Flugpersonal nur unter Mithilfe eines mitreisenden Ringerteams beenden konnte, erfuhr die Flugbegleiter-Organisation. Diese Zwischenfälle, so die Beobachtung, gingen dabei eher "von den gut zahlenden Kunden im Nadelstreifenanzug als von der Kegelgruppe auf dem Weg nach Mallorca" aus.

Die wichtigste Ursache für die zunehmenden Ausschreitungen steht für die UFO zweifelsfrei fest: "In drei Vierteln aller Fälle ist Alkohol im Spiel." Ein großer Teil der Passagiere unterschätze, daß Alkohol während des Fluges mitunter erheblich rascher und stärker wirke als auf dem Boden. Die extrem niedrige Luftfeuchtigkeit in der Kabine sowie Flugangst führten außerdem dazu, "daß viele unbewußt ein Glas oder zwei zuviel konsumieren".

Der übermäßige Alkoholgenuß an Bord wird nach Ansicht der Flugbegleiter zu leicht gemacht. "Gerade die Airlines, die allen Alkohol kostenlos ausschenken und damit auch noch werben, dürfen sich nicht wundern, wenn die Kunden das Angebot auch annehmen", kritisiert Otto Ziegelmeier. Ein generelles Alkoholverbot an Bord sei jedoch nicht durchsetzbar. "Aber eine spürbare Reduzierung wäre schon viel wert!"

Deutliche Kritik übt die Organisation an den deutschen Luftfahrtgesellschaften. "Aus Furcht, Kunden zu verprellen, drücken sie im Zweifelsfall eher ein Auge zu." So würden die rechtlichen Möglichkeiten - etwa einen bereits beim Check-in betrunkenen Passagier vom Flug auszuschließen - nicht konsequent genutzt. "Und auch nach der Landung werden die Randalierer nicht immer zur Rechenschaft gezogen."

Bei den US-Airlines, so Ziegelmeier, führten Ausschreitungen "dagegen durchaus zu außerplanmäßigen Landungen und am Ende zu Gefängnisstrafen".