Der Kurs der Deutschen Mark fällt, aber das soll uns nicht kratzen. Denn der Kurs der Deutschen Briefmark steigt. Und wer macht den Gewinn? Natürlich wir.

Am 1. September präsentiert die Deutsche Post AG ihren Kunden einen sprunghaften Anstieg der Portokurse. An diesem Tag, der als Gelber Montag in die Annalen des Wertzeichenhandels eingehen wird, soll der Wert des frankierten Standardbriefes explosionsartig auf 1,10 Mark hochschnellen.

Postkarten legen um 20, Maxibriefe gar um 40 Pfennig zu nur Großbriefe bis 500 Gramm tendieren weiterhin freundlich bei 3,00 Mark. Dieser Vorgang ist aber nicht als Preiserhöhung zu deuten, sondern als klarer Sieg der Vernunft.

Meint jedenfalls die Post.

In einer gebührenfrei erhältlichen Broschüre informiert das Unternehmen über sein neuartiges Kassensanierungskonzept. Motto: "Mehr Service zum vernünftigen Preis". Das ist mehr als vernünftig. Nun ist endlich Schluß mit den kilometerlangen Schlangen von Kunden, die sich bei überanstrengten Schalterbeamten über die unbesonnene Preispolitik ihres Zustellunternehmens beklagen wollen. Achtzig Pfennig die Postkarte, eine Mark der Brief - das war doch die bare Unvernunft!

Nichts bleibt, wie es war. Nach der "Premiere für die neuen Briefzusatzleistungen" (Info-Broschüre) gehören auch zeitintensive Fachbegriffe der Postkutschenvergangenheit an. Sie werden durch neu entwickelte High-Tech-Termini ersetzt, die zugunsten einer kürzeren Bearbeitungszeit viel schneller auszusprechen sind. So heißt die Auslieferungsüberprüfung künftig "Zustell-Check", die Identifikationsnummer nur noch "Identnummer".

Damit nicht genug. Wer bisher nicht wußte, was zum Teufel eigentlich ein Übergabe-Einschreiben sein soll, kriegt klar Bescheid gestoßen: "Das bisherige Einschreiben heißt ab dem 1.9.1997 Übergabe-Einschreiben." Und obendrein gibt's Gratistips, die Gold wert sind: "Bevor Sie den Einlieferungsbeleg unserem Mitarbeiter am Schalter übergeben, empfehlen wir Ihnen, den Empfänger einzutragen." Ein Tor, wer da widersprechen wollte.