Er galt als Sonderling, Eremit, genialer Querkopf, der vielbegabte Johann Karl Wezel, geboren 1747 in Sondershausen/Thüringen. Als Jüngling ein Violinvirtuose, studierte er Theologie, warf sich auf Philosophie und Literatur. Sein Werk "Herrmann und Ulrike" nannte Wieland zwar - in privatem Kreise - den besten deutschen Roman, doch eine Karriere in der Gelehrtenrepublik wollte Wezel nicht gelingen. Weder mit diesem Buch noch mit dem düsteren "Belphegor", einem radikalen Pendant zu Voltaires "Candide", noch mit seinen sechs weiteren Romanen, noch mit seinen Schriften zur Anthropologie und Psychologie. Als Skeptizist und Agnostiker getadelt, als "verrückt" denunziert, geriet er ins Abseits, kehrte von allerlei Lebensfahrten zwischen Paris und Wien schließlich wieder ins thüringische Sondershausen zurück, wo er 1819 in ärmlichen Verhältnissen starb - "einer der vorzüglichsten Schriftsteller Deutschlands", wie der Pfarrer im Sterberegister für die Nachwelt festzuhalten es als seine Pflicht erkannte.

Vergebens: Wie so manchem kühnen Selbstdenker aus Deutschlands großer Zeit, dem 18. Jahrhundert, war Johann Karl Wezel bis heute keine veritable Werkausgabe vergönnt. Das soll sich jetzt ändern. Im Oktober werden, gefördert von der Kulturstiftung der Länder, im Heidelberger Mattes Verlag die ersten beiden Teile des kompletten Wezel erscheinen. Für den abschließenden Band "Briefe und Dokumente" allerdings suchen die Herausgeber noch unveröffentlichte Lebenszeugnisse sowie Briefe von und an Wezel aus Privatbesitz und öffentlichen Bibliotheken (die Bücherhallen und Archive in Berlin, Biberach, Krakau, Marbach, München, Nürnberg, Rudolstadt, Weimar, Wiesbaden und das Gleimhaus in Halberstadt sind bereits durchgraben).

Außerdem gesucht werden Handexemplare von Büchern aus W.s Besitz und, vor allem, die bisher als verschollen geltenden Jahrgänge 1780/81 der Königsberger Gelehrten und Politischen Zeitungen. Sachdienliche Wezel-Hinweise aller Art nimmt Alexander Kosenina, Freie Universität Berlin, Fachbereich Germanistik, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, dankbar und diskret entgegen.