Vermieter sind auf Harald Schäfer gewöhnlich nicht gut zu sprechen. Oft ziehen sie den kürzeren, wenn sie vor Gericht gegen den Mieteranwalt antreten. Der Jurist und Notar mit Kanzlei im Berliner Arbeiterkiez Moabit hat ein Erfolgsgeheimnis: Mit einer Reihe von (legalen) Tricks macht er sich die Geschäftsverteilungspläne der Gerichte zunutze. Ziel in allen Fällen: ein Verfahren auf den Tisch des "richtigen" Richters zu plazieren. Für Mandanten kann das bares Geld bedeuten: in einem aktuellen Fall vor dem Landgericht Berlin rund 20 000 Mark.

Theoretisch soll die Wahl eines Richters durch den Anwalt unmöglich sein.

Daher legen die Gerichte auch mit Hilfe der mitunter komplizierten Geschäftsverteilungspläne fest, welche Klage bei welcher Abteilung landet.

Mal werden eingehende Klagen durchnumeriert, mal ist der Anfangsbuchstabe des Beklagten entscheidend. Welche Verfahren auch immer bevorzugt werden - alle dienen nur einem Zweck: Sie sollen sicherstellen, daß jeder seinen gesetzlichen Richter bekommt, die Auswahl eines Richters also nicht manipuliert werden kann. Die Praxis sieht jedoch anders aus.

Gerade im Mietrecht kommen verschiedene Richter, durchaus im Rahmen der Gesetze, zu extrem unterschiedlichen Urteilen. Dabei berufen sie sich jeweils auf ihre richterliche Unabhängigkeit. So legen einzelne Abteilungen und Kammern ihrer Rechtsprechung etwa die zumeist mieterfreundlichen Vorgaben von Mietspiegeln als Beweismittel zugrunde. Andere vertrauen aber Gutachtern, die häufig als vermieterfreundlich gelten. Vor diesem Hintergrund kann es Mietern wie Vermietern nicht gleichgültig sein, welcher Richter eine Klage verhandelt.

Allein in Berlin gibt es 12 Amtsgerichte mit etwa 120 Abteilungen. Hinzu kommen ein halbes Dutzend Zivilkammern beim Berliner Landgericht, die für Berufungsklagen zuständig sind. Während in Deutschlands Hauptstadt Mietraumklagen nach der Eingangs- oder Paginierungsnummer und auch nach dem Nachnamen des Vermieters zugewiesen werden, pflegen Gerichte in Hamburg und anderen Großstädten eine weitere Spielart: Dort sind Abteilungen der Amtsgerichte schon mal für einzelne Straßen zuständig, damit Urteile innerhalb eines Hauses nicht zu unterschiedlich ausfallen, wie dies bisweilen in anderen Städten vorkommt.

In den meisten Bundesländern gilt jedoch eine rotierende Zuständigkeit der Abteilungen und das durch Eingangsnummern sichergestellte Zufallsprinzip. Auf den ersten Blick scheint das Manipulationen auszuschließen. Mietrechtsprofis können aber dennoch zu einigen Finessen greifen, damit Klagen nicht beim - aus Mandantensicht - "falschen" Richter landen: