Johannesburg Frederik Willem de Klerk, Chef der Nationalen Partei (NP), wirft das Handtuch. Am Dienstag zog er die Konsequenzen aus dem schier unaufhaltsamen Niedergang seiner Partei und legte das Amt des Vorsitzenden nieder. Sein Rücktritt kommt einer Kapitulation gleich.

De Klerk war als letzter weißer Präsident von Südafrika zu Weltruhm gekommen.

Er ließ Nelson Mandela, den Erzfeind des Burenregimes, frei, schaffte die Apartheid ab und gab die weiße Vormacht freiwillig auf. Für diese historische Großtat erhielt er zusammen mit Mandela den Friedensnobelpreis. Nach dem Machtwechsel 1994 wurde de Klerk Vizepräsident von Mandela. Seither geht es mit seiner Partei bergab. Die halbherzigen Versuche, sie "einzuschwärzen" und in eine christlichkonservative Gegenkraft zum ANC umzumodeln, mißlangen. De Klerk sprengte die schwarz-weiße Koalitionsregierung und drängte den mutigsten Reformer, Roelf Meyer, aus der Partei. Seither laufen liberale Stadt- und Gemeinderäte der Nationalen Partei in Scharen zur Konkurrenz über oder ziehen sich enttäuscht aus der Politik zurück.

Den Tiefpunkt seiner Karriere erreichte de Klerk im August 1996 vor der Wahrheitskommission, die die Verbrechen während der Apartheid aufklären soll.

Staatsterrorismus? Mord und Folter? Wir wußten von nichts, erklärte der 61jährige im Namen seiner Partei. Erzbischof Tutu, Vorsitzender der Kommission, war den Tränen nahe: Der große Frederik de Klerk hatte aufs peinlichste die Unfähigkeit der Weißen demonstriert, Schuld zu bekennen. In der schwarzen Gemeinde wurden sogar Rufe laut, er möge den Nobelpreis zurückgeben.

Keine Courage, sich der Vergangenheit zu stellen, keine Vision für die Zukunft: De Klerk und seine Partei sind im neuen Südafrika kläglich gescheitert. Der Führer der "Nats" geht, die weiße Wagenburg wird geschlossen und rollt als museale Zeugin einer finsteren Ära ins politische Niemandsland.