Vor allem aber sucht sie Rückendeckung für die bevorstehenden politischen Auseinandersetzungen. Denn die Stadt, seit fünfzig Jahren eine Hochburg der Sozialdemokraten, geht auf Konfrontationskurs mit der rotgrünen Landesregierung in Düsseldorf.

Der 26. Mai 1997 könnte dereinst in die Lehrbücher des Staats- und Verwaltungsrechts eingehen: Mit der Verabschiedung des Haushalts 1997 verstößt die Stadt vorsätzlich gegen Recht und Gesetz. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik verweigert eine Kommune aus finanzieller Not dem Land den Gehorsam. Der Duisburger Rat hat den Düsseldorfer Aufsichtsbeamten einen Haushalt vorgelegt, der nicht genehmigungsfähig ist.

Es fehlt das Haushaltssicherungskonzept, in dem alle defizitären Kommunen darlegen müssen, mit welchen Maßnahmen sie ihr Budget auf mittlere Frist wieder ausgleichen wollen.

"Ihr seht, die Finanzplanung endet jetzt mit einem Defizit von 1,4 Milliarden Mark im Jahre 2001. Wir bringen keine Finanzplanung mehr ein, die so tut, als wäre der Haushalt mit Sparmaßnahmen auf Null zu bringen", erläutert die Kämmerin den Homberger Genossen. Die Zuhörer haben nicht viel zu entgegnen.

Daß Duisburg pleite ist, weiß hier ohnehin jeder, schon seit Jahren.

"Natürlich werden wir weiter die Sozialhilfe auszahlen", sagt Monika Kuban im Gespräch, "aber es gibt eine ganze Reihe kostspieliger Aufgaben, die wir erfüllen müssen, die aber keinem Duisburger direkt nützen." Nach zwanzigjähriger städtischer Sparpolitik stellt die Kämmerin nüchtern fest: "Der Duisburger Haushalt kann nicht in Duisburg ausgeglichen werden."

Die schlechte wirtschaftliche Lage der vergangenen fünf Jahre hat viele Kommunen in die finanzielle Klemme gebracht. Die steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen ließ die Ausgaben der Gemeinden für die Sozialhilfe drastisch anschwellen, gleichzeitig versickerte der Einnahmestrom aus Gewerbesteuer und Einkommensteuerumlage. Den ersten Sparhaushalt verabschiedete der Duisburger Stadtrat bereits 1977, im Jahr der ersten Stahlkrise. Seither taumelt Duisburg mit den Auf- und Abschwüngen der Stahlkonjunktur von einer finanziellen Erholungspause ins nächste Haushaltsloch. Es folgten ab 1982 mehrere Sparpakete und seit 1987 fast pausenlos immer neue und drastischere Haushaltssicherungskonzepte.