Nicht alles Öl, das aus den Früchten der leuchtenden Rapsfelder gewonnen wird, landet in der Salatschüssel. Eine zunehmende Menge wird weder auf Flaschen gezogen noch in Blechdosen gefüllt - sie wandert in die Kraftstofftanks von Autos und Binnenschiffen und ersetzt aus Mineralöl erzeugten Dieselkraftstoff. Biodiesel - so heißt das Produkt - wird inzwischen an mehr als 600 Tankstellen vertrieben.

Seit in Deutschland kein verbleiter Kraftstoff mehr verkauft wird, haben die Tankstellen Zapfsäulen frei, die sie nun für andere Kraftstoffe nutzen können. Vor allem die freien Tankstellen entscheiden sich für Biodiesel als zusätzliches Angebot. Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Freier Tankstellen, sieht für die rund 1500 seinem Verband angeschlossenen Stationen die Chance, "durch Biodiesel Profil zu gewinnen". Er ist sich freilich auch sicher, daß längst nicht alle Mitgliedsfirmen auf den Biozug aufspringen werden.

Immerhin kommt der alternative Kraftstoff aus dem Ghetto der Raiffeisentankstellen heraus und wird zunehmend auch für Autofahrer im städtischen Bereich zugänglich. Geködert werden sollen neue Kunden nicht nur mit dem Appell an ihr Umweltbewußtsein, sondern auch mit einem scheinbaren Preisvorteil. So bietet der Duisburger Mineralölhändler Eller-Montan Biodiesel um zwei Pfennig je Liter billiger an als herkömmliches Dieselöl.

Mit dem kommt man freilich weiter, weil es energiereicher ist. So hat der ADAC beim Betrieb von Pannendienstfahrzeugen mit Biodiesel einen um einen halben Liter je hundert Kilometer höheren Verbrauch ermittelt.

Hinzu kommt, daß viele Autos Schaden nehmen, wenn sie mit Biodiesel betrieben werden. Weil reines Rapsöl als Kraftstoff nicht zu gebrauchen ist, findet eine sogenannte Umesterung statt. Dabei wird im Öl enthaltenes Glyzerin durch Methylalkohol ersetzt - was dabei herauskommt, heißt dann Rapsmethylester oder kurz RME. Und dieses Produkt kann Kraftstoffleitungen, Filter und Dichtungen von Einspritzpumpen angreifen. Inzwischen werden viele Neuwagen ab Werk serienmäßig für den Betrieb mit Biodiesel ausgerüstet, einige Hersteller bieten eine entsprechende Ausstattung an - gegen Aufpeis.

Wie teuer die Nachrüstung eines alten Fahrzeugs ist, darüber gehen die Angaben auseinander. Bei Eller-Montan spricht ein Tankwart von weniger als 100 Mark, der ADAC hat für die Umrüstung seiner Fahrzeuge zwischen 500 und 600 Mark ausgegeben. Und Mercedes versichert, daß der Aufpreis von rund 350 Mark gerade die Kosten deckt, die zusätzlich entstehen.

Wenn der Kraftstoff nicht preiswerter und das Auto eher teurer ist, dann bleibt als Motiv für den Einsatz von Biodiesel nur die Umwelt. Und da hat der alternative Kraftstoff durchaus seine Vorteile. Mit Biodiesel betriebene Motoren stoßen deutlich weniger CO2, Partikel und Ruß, dafür allerdings mehr Stickoxide aus. Und unschlagbar ist das Produkt, wenn es um biologische Abbaubarkeit geht. Deshalb betreibt zum Beispiel die Gelsenwasser AG ihre Schiffe auf Trinkwassertalsperren seit vielen Jahren mit RME.