Zehntausende Erkrankungen an Masern, Röteln und Mumps pro Jahr wären in Deutschland vermeidbar, gäbe es nicht eine fatale Impfmüdigkeit. Wie das Berliner Robert-Koch-Institut kürzlich in seinem Epidemiologischen Bulletin (Nr. 34/97) feststellte, leiden jährlich schätzungsweise zwanzig bis hundert Kinder an einer oft tödlich verlaufenden Hirnentzündung infolge von Masern.

Einige tausend Menschen pro Jahr ziehen sich eine Hirnhautentzündung im Verlauf einer Mumpsinfektion zu. Ferner sind fünfzig bis hundert Fälle von Mißbildungen bei Neugeborenen infolge von Röteln zu beklagen. Wie viele unnötige Opfer tatsächlich diese oft als Kinderkrankheiten verharmlosten Infektionen fordern, weiß niemand genau, denn die amtliche Überwachung ist ähnlich nachlässig wie die kollektive Bekämpfung der Erreger. Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, Finnland oder Schweden zeigen, daß sich beispielsweise die Masernviren nahezu vollständig besiegen lassen.

Voraussetzung ist eine Immunisierung von etwa 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen durch Impfen. Prinzipiell sind auch die meisten Deutschen einsichtig, denn 70 bis 75 Prozent aller Kleinkinder erhalten eine Erstimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Die Auffrischung (ab sechs Jahren) hingegen wird meist verschlampt. Nur zehn bis fünfzehn Prozent aller Deutschen unterziehen sich der notwendigen Zweitimpfung.