Warum Wölfe heulen, kann auch der Biologe und Journalist Ronald D. Lawrence, der die Tiere seit 37 Jahren in Kanada erforscht, nur vermuten. "Sie tun es oft, einfach weil ihnen danach zumute ist. Ich habe sehr oft Wölfe dabei beobachtet, und jedesmal kam es mir so vor, als würden sie wie der Mensch ein solches gemeinschaftliches Singen lieben." Die nervenaufreibende Kakophonie eines Wolfsgeheuls im Februar 1955 wird der Forscher nie vergessen. Als er in der Wildnis Ontarios plötzlich von heulenden Wölfen umzingelt war, zog er sich auf einen Stoß Baumstämme zurück, in den Händen eine Axt und einen Pfahl. Schließlich entschloß sich Lawrence zum Rückzug. Das Rudel hörte zu heulen auf, sobald er sich in Bewegung gesetzt hatte, und ließ ihn ziehen.

Als er zwei Stunden später mit einem Gewehr zurückkehrte, waren die Wölfe verschwunden, aber in unmittelbarer Nähe fand er die Überreste eines Weißwedelhirsches. Lawrence hatte das Rudel bei seiner Mahlzeit gestört. Die unzähligen Anekdoten und die ansprechenden Bilder im Buch "Auf der Spur der Wölfe" (Orbis Verlag, München 1997, 29,95 Mark) vermitteln einen aufregenden Einblick in die Lebenswelt der Wölfe.