Schon dem Siebenjährigen dämmerte, daß er anders war als andere. Den kleinen Francisco Rabaneda y Cuervo entführten unbekannte Kräfte eines Tages auf eine astrale Reise in die Zukunft. Nur seine Großmutter, eine okkult begabte baskische Bäuerin, verstand das Kind, als es aufgewühlt von diesem sein Leben bestimmenden Erlebnis berichtete. Sie gab ihm den fürsorglichen Rat, Schweigen zu bewahren.

Daran hielt sich der Spanier lange Zeit. Sein ebenfalls etwas anderes Talent für die Mode ließ er sich jedoch nicht nehmen und wurde weltberühmt. 1966 präsentierte er als Paco Rabanne im Pariser Luxushotel "George V" "zwölf experimentelle Kleider", die aus den in der Bekleidungsbranche bislang unbekannten Materialien Metall und Plastik gebastelt waren. Mit diesem Schock avancierte er in der Mode zum Seher der Saison, zum Propheten einer von Kritikern "futuristisch" genannten Art, den Körper zu bedecken, besser gesagt: der modernen Welt die Stirn zu bieten.

Der Mann hat seine Vorstellungen nie geändert, seine Visionen nie verleugnet.

Streckenweise ging er recht unbeobachtet seinem Handwerk nach, besonders in den schwelgerischen achtziger Jahren. Da veranstalteten andere die große Glitzer-Schau, Gianni Versace etwa. Dessen vielphotographierte Modelle aus metallisch schimmernden Stoffen verdanken sich jedoch Paco Rabannes frühen Taten. Schließlich war er es, der die neuen "Amazonen" entdeckt hatte. Und manches andere auch. Neulich erst hielt der amerikanische Designer Calvin Klein ein quadratisches Silbertäschchen feil, dessen Original vor rund dreißig Jahren von Altmeister Rabanne geschaffen wurde. Richtig weg vom Fenster war Rabanne, den die späte Coco Chanel mit dem harschen Urteil: "Er ist kein Couturier, er ist ein Metallarbeiter" ungewollt unterstützte, eigentlich zu keiner Zeit seiner Karriere.

Er machte nämlich nie irgendwelche Mätzchen außer den eigenen und bewies damit Haltung. Die Kleider von der Stange, mit denen er die Kundschaft seit sieben Jahren bedient, betrachtet er wohl eher als zusätzlichen kleinen Service und überläßt die Entwürfe erklärtermaßen einem jungen Designergespann. Er selbst kümmert sich ausschließlich um die Couture, Tag für Tag ab sieben in der Früh.

Am 30. August sind vierzig seiner Kleider in Berlin zu sehen, open air. Zum Auftakt der Internationalen Funkausstellung wird der Kurfürstendamm zwischen dem Olivaer Platz und der Knesebeckstraße zum mit 1001 Metern längsten Laufsteg der Welt. Paco Rabanne ist Ehrengast der Gala-Show "Der Große Q".

In einem düsteren und schmalen Pariser Kabuff, Büro genannt, sitzt der 63jährige in kragenlosem weichen Hemd und legeren Beinkleidern hinter einem stählernen Schreibtisch. Freundlich begegnet uns sein als schläfrig getarnter Blick, um dann zur Decke emporzuschweifen. Gleichmütig tropfen seine Worte: "Ich stand immer am Rande. Meine Position war immer sehr außergewöhnlich."