ZEIT: Die Deutschen sparen beim Essen, an der Kleidung und nun selbst bei ihren Urlaubsreisen. Weil seit Jahren die Einkommen stagnieren, wird überall geknapst - nur nicht beim Auto. Sind die Deutschen autoverrückt?

Leuchtenberger: Sie lieben ihre Autos, das liegt in der Mentalität der Deutschen. Das Auto gilt vielen immer noch als Statussymbol, es ist eben nicht nur der fahrbare Untersatz von A nach B.

ZEIT: Während der Einzelhandel querbeet über schlechte Geschäfte klagt, stehen bei Ihnen die Kunden Schlange nach den Sportflitzern von Mercedes und Porsche. Selbst für Massenmobile wie den VW Passat gelten ellenlange Lieferzeiten, und die bevorstehende Frankfurter Autoschau IAA mit neuen Modellen wie VW Golf und Opel Astra wird die Kauflust zusätzlich anheizen.

Sonnt sich Ihre Branche im Glück?

Leuchtenberger: Ganz und gar nicht. Die deutsche Autoindustrie, das stimmt, steht dank einer hervorragenden Modellpolitik im Moment sehr gut da, auch weil der Export auf hohen Touren läuft. Aber die Händler und Werkstätten, die man mit den Herstellern fälschlicherweise oft in einen Topf wirft, sind in keiner glücklichen Lage, im Gegenteil. Jeder zweite Händler arbeitet im Neuwagengeschäft mit roten Zahlen, und die durchschnittliche Rendite ist auf kümmerliche 0,6 Prozent geschrumpft - vor Steuern. Die deutschen Porsche-Händler haben es 1996 im Schnitt sogar nur auf 0,4 Prozent gebracht.

ZEIT: Das riecht nach Pleiten.

Leuchtenberger: Es gibt Schätzungen, daß in den nächsten zehn Jahren bis zu 8000 Autohändler aufgeben müssen, weil sie hohe Verluste machen. Heute gibt es noch 26 000. Die Zahl der Betriebe wird allerdings kaum sinken, aber die Zahl der Eigentümer.