Absolut und im Herzen des Herzens", sagte C. G. White, Colonel der US-Luftwaffe kürzlich, ja sogar "in der Tiefe der Seele" glaube er daran, daß im Jahre 2025 die ganze Erde von einem neuronalen Netz umhüllt sei. Also von einem Computernetz, das nach Prinzipien funktioniert, die dem menschlichen Gehirn abgeguckt sind. Dieses Superhirn, auf Satelliten gestützt und den Planeten umspannend, werde der Luftwaffe der Vereinigten Staaten die Überlegenheit garantieren.

Die Idee stand nicht in irgendeinem seltsamen Blatt, sondern in Jane's Defence Weekly, einer seriösen Zeitschrift, die Fachleute über Rüstung und Rüstungsgeschäft informiert. Hintergrund: In der U. S. Air Force fordert eine ganze Phalanx von Technofreaks, mit Hilfe langfristiger Forschung und Entwicklung aus Science-fiction militärischen Ernst zu machen.

Dabei haben die US-Militärs gerade in den vergangenen Wochen allerlei Mißlichkeiten der Informationstechnik erlebt. Ihre multinationale Übung "JWID '97" beispielsweise, in der britische, neuseeländische, kanadische, australische und Nato-Stäbe auf virtuellen Schlachtfeldern via Computernetz gemeinsam Krieg spielten, brachte unliebsame Überraschungen mit sich. Kommunikationsverbindungen brachen zusammen, widersprüchliche Einstellungen der E-Mail-Systeme verursachten Verwirrung, und als die Teilnehmer probehalber die Rechneruhren auf das gefürchtete Jahr 2000 umstellten, da nun, Jane's beschreibt das geheimgehaltene Resultat so: "Die Ergebnisse waren gemischt, und die Tests werden jetzt in einem Labor wiederholt, um zu sehen, ob sie sich replizieren lassen." Das klingt nicht gut.

Ist aber nur Gegenwart. Die darf spröde sein, wie sie will, die Zukunft hingegen, die ist glorios. So jedenfalls lautet der Tenor der Memoranden, die gegenwärtig in der USAF kursieren und deren Botschaft die militärische Automation des Himmels ist: die Roboterisierung des Luftraums und des erdnahen Weltraums. Einer Studie der Air University (Maxwell Air Force Base, Alabama) zufolge sollen Satelliten eines Tages so ziemlich jeden militärisch interessanten Vorgang auf der Erde beobachten und identifizieren - und aus den Beobachtungsdaten holographische, virtuelle Schlachtfelder konstruieren, in denen sodann die Militärs kämpfen, als wären sie mittendrin im Gefecht. Diese virtuellen Räume werden in den Helmen der Krieger aufgespannt, so daß womöglich der US-General und sein chinesischer Amtskollege (wir schreiben 2025) fröhliche Waffenbrüderschaft ausleben können, obwohl der eine in Washington und der andere in Peking seine Pflicht tut. Bei "JWID '97" saßen immerhin schon einige Stabsoffiziere, mit 3-D-Brillen ausgerüstet, vor Displays, die ihnen den Kampfraum nahebringen sollten.

Die Himmelsmacht der Zukunft wird freilich nicht nur spähen, auswerten und projizieren. Die Satelliten sollen auch Waffensysteme mit Hilfe dreidimensionaler Navigation lenken, damit sie unten auf der Erde mit Präzision zuschlagen.

Und da ist dann nichts mehr virtuell.

Alles Spekulation, keine Frage. Allerdings geben die Autoren an, wo die technischen Hürden sind und wie sie möglicherweise genommen werden können. Sie verweisen auf gegenwärtige Entwicklungen: auf die sich abzeichnende Satellitenkommunikation mit Lasern beispielsweise, auf die Computertechnik und insbesondere die Robotik, eine Disziplin, die in die Wehrtechnik etlicher Länder Einzug hält. In diesen Tagen richtet beispielsweise die U. S. Air Force ihre zweite Schwadron von unmanned aviation vehicles ein, unbemannten Aufklärungsflugzeugen, die mit zunehmender Autonomie und demnächst auch mit Bordwaffen ausgerüstet werden - Kampfroboter.